Die Avenues
Roman

Unionsverlag, Zürich 2026
ISBN
9783293006386
Gebunden, 304 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Jan Schönherr. In Miner's Drift ist nicht viel los, aber immerhin hat Jedza zwei beste Freunde und ein neues Fahrrad. Ein rotes natürlich, die sind schneller als blaue. Die Jungs brausen durch die Straßen, bis ein Wettrennen ein tragisches Ende nimmt. Jedza ist fortan überzeugt, verflucht zu sein. Getrieben von seinen Dämonen, zieht er als junger Mann nach Harare, eine vor Korruption triefende Großstadt, in der Scharlatane mit Ahnengeistern konkurrieren. Eine Stadt, die alle in die Knie zwingt - doch unterkriegen lässt sich davon niemand. In den Avenues, dem hippen Viertel der Schönen und Gescheiterten, sucht Jedza nach Antworten und wird mitgerissen vom Strudel des alltäglichen Wahnsinns.
Zum
Übersetzungs-Journal
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2026
Eine stringente Handlung, eine eindeutige Perspektive, ein klares Erzählkonzept und kohärente Figuren - Farai Mudzwinga braucht nichts davon, um Rezensent Tobias Döring mitzureißen! Durch die Straßen von Harare, über die Märkte, durch Wohnungen wie "klaffende Schädel voller Schutt" geht es da, von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück folgen wir den beiden Hauptfiguren - den Geschwistern Jedza und Natsai - in einer Prosa, die der Rezensent als "wilden Ritt" beschreibt, mit halsbrecherischen Sprüngen zwischen Zeiten, Orten und Plot-Strängen. Mehr noch: Der Roman besticht laut Döring mit scharfem Humor, schrägen Einfällen, einer starken Bildsprache und einer Sprache, die mal mal kühl und nüchtern, dann grell und heiß gelaufen erscheint, lesen wir. Dass das auch im Deutschen so gut funktioniert, haben wir der Leistung des Übersetzers Jan Schönherr zu verdanken, lobt Döring. Der Versuch, aus all diesen erzählerischen Fragmenten, diesen Platzwunden eine konkrete Handlung zu konstruieren, wäre wohl vergebens, vermutet Döring, aber das braucht er auch gar nicht. Was "Die Avenues" auszeichnet, sind die vielen Eindrücke Simbabwes und seiner Kultur, die originelle Sprache, und die diversen interessanten Charaktere in diesem Buch. Ein Buch, das den Rezensenten gespannt erwarten lässt, was da als nächstes kommen mag von Farai Mudzwinga.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.04.2026
Gern folgt Rezensentin Sonja Hartl den vielen Erzählsträngen dieses Romans des simbabwischen Autors Farai Mudzingwas. Im Zentrum steht Jedza, ein junger Mann, der sich in Harare, der Hauptstadt Simbabwes, auf die Suche nach seiner Schwester begibt. Im Kern ist das Buch ein Coming-of-Age-Roman, meint Hartl, wozu passt, dass es seinen Ausgangspunkt bei zwei traumatischen Ereignissen in Jedzas Kindheit nimmt. Freilich spaltet sich die Erzählung anschließend gleich mehrfach auf, erzählt die Rezentin: Zum einen verfolgen wir Jedzas Ermittlungen in der Gegenwart, zum anderen geht es zurück in die Teenagerzeit seiner Schwester - und dann sogar bis ins 19. Jahrhundert, in die Zeit des Kolonialismus. Dessen Erbe prägt das Land bis heute, zeigt Mudzingwa der Kritikerin, ebenso wie der Geisterglaube vieler Menschen. Es steckt jedenfalls viel in diesem Buch, das sich gleichwohl musikalisch flüssig lese, auch dank Jan Schönherrs gelungener Übersetzung. Eine runde Sache, findet Hartl.