Gioacchino Criaco

Schwarze Seelen

Roman
Cover: Schwarze Seelen
Folio Verlag, Wien - Bozen 2016
ISBN 9783852566849
Gebunden, 233 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl. Armut, archaische Riten, organisiertes Verbrechen - eine Geschichte aus dem gottverlassenen Süden Italiens: Drei Freunde aus dem Bergdorf Africo in Kalabrien wollen sich weder dem Schicksal noch den lokalen Paten ergeben. Die Söhne armer Ziegenhirten, die bereits als Kinder reiche entführte Industrielle aus dem Norden in den dichten Wäldern des Aspromonte-Gebirges bewachten, wollen dem Kreislauf von Tradition und Not entkommen. Beginnend mit kleinen Diebstählen steigen sie in das internationale Drogengeschäft Mailands ein - und werden zum Spielball undurchdringlicher Mächte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.06.2016

Mit sanftem Grusel begibt sich Rezensentin Kathrina Granzin in die "durch und durch archaische Welt" in den Bergen des kalabrischen Aspromonte, wo eine Gruppe Ziegenhirten ihr Auskommen mit Geiselnahmen und Auftragsmorden aufbessert. Das Bergmassiv ist "grandios, urtümlich", die Atmosphäre nicht zuletzt durch die Ich-Perspektive geradezu beengt, schreibt die Kritikerin weiter. Dass der in Italien bereits verfilmte Roman seiner lakonischen Erzählhaltung wegen üblicherweise als "Noir" einsortiert wird, findet die Rezensentin zwar plausibel. Sie macht aber lieber den autobiografischen Aspekt dieses literarischen Debüts stark: Der im Hauptberuf als Rechtsanwalt tätige Autor verarbeite hier den Abstieg seines Bruders in die schwere Kriminalität. Mulmig findet Granzin das Buch, bei aller Faszination dafür, allerdings schon: Diese Männerwelt wirkt in ihrer Schilderung so hermetisch, dass eigentlich nur eine starke feministische Gegenbewegung als Antidot vorstellbar ist, um diesen abgeschlossenen Teufelskreis der Gewalt aufzusprengen, so die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 21.05.2016

Rezensent Marc Reichwein liest diesen Roman über die Transition kalabrischer Viehhirten in Drogenschmuggler während der achtziger Jahre fast wie ein Sachbuch, denn Autor Gioacchino Criaco erzählt hier gewissermaßen aus dem eigenen Leben: selbst Sohn einer Hirtenfamilie, der eigene Vater Opfer der Blutrache, der Bruder als Mafioso im Knast. Näher an der Realität geht kaum, meint der beeindruckte Rezensent in seiner Kurzkritik.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2016

Der italienische Schriftsteller Giocacchino Criaco hätte gut und gerne eine ähnliche Laufbahn einschlagen können wie die drei Jungen, die er in seinem Romandebüt "Schwarze Seelen" in die organisierte Kriminalität hereinwachsen lässt, weiß Henning Klüver. Wie seine Figuren stammt er aus Africo, einem Dorf in den Bergen Kalabriens, wo die Mafia, die hier 'Ndrangheta heißt, großen Einfluss hat und behält, weil sie den Landstrich unterentwickelt hält und sich die gigantische Arbeitslosigkeit zunutze macht, erklärt der Rezensent. Im seinem wütenden Roman lässt Criaco seinen Ich-Erzähler und zwei Freunde also erst zu Ganoven und dann zu handfesten Verbrechern werden, allerdings ohne moralisch zu kommentieren, so Klüver. Die Ereignisse sprechen ohnehin für sich, findet der Rezensent, der auch die Übersetzerin Karin Fleischanderl lobt, die das authentisch regionale von Criacos Sprache "glänzend" ins Deutsche gebracht habe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.02.2016

Jörg Bremer scheint nicht gerade euphorisiert von Gioacchino Criacos Roman über die schwarzen Seelen von Africo in Italiens Süden. Die Hoffnungslosigkeit, die aus der Geschichte um drei Entwurzelte und ihren Hunger nach Leben und Reichtum zu ihm spricht, legt sich schwer auf sein Gemüt. Auch wenn er dem Autor nicht recht traut, was die Authentizität seiner Story und Figuren betrifft, Criacos Landschaftsbeschreibungen aus dem Aspromonte und seine Kenntnisse über das aussichtslose Dasein des kalabrischen Proletariats üben doch Faszination auf den Rezensenten aus.
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