Aus dem Norwegischen von Irina Hron. Jon ist mit seiner Mutter Vibeke in eine nordnorwegische Kleinstadt gezogen. Sein neunter Geburtstag steht am nächsten Tag bevor. Als Leser folgen wir den beiden durch den Abend und die Nacht.
Eine tiefe Verbindung zwischen Mutter und Sohn wird deutlich, wenn sie abwechselnd von ihren Wünschen und Erwartungen erzählen. Jedoch nicht ihrem Gegenüber und so lösen Missverstehen und Schweigen die Ereignisse dieser Nacht aus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.07.2017
Höchste Zeit dieses bereits vor zwanzig Jahren erschienene "traurige, kleine" Buch auch hierzulande zu entdecken, meint Rezensentin Kristina Maidt-Zinke. Denn dieser Roman ist ein "Wunderwerk", fährt die Kritikerin fort: Wie Hanne Orstavik in ihrer Geschichte um eine alleinerziehende Mutter und ihren neunjährigen Sohn das von Einsamkeit und Sprachlosigkeit geprägte Verhältnis der beiden in wenigen Strichen und in einer "klaren, einfachen" Sprache ganz ohne Drama einfängt, ringt der Rezensentin größte Anerkennung ab. Dass sich die norwegische Autorin meisterhaft in die Psyche des Jungen versetzen kann, zudem großes Gespür für atmosphärische Momente beweist, wird für die Kritikerin angesichts der Sprachgewalt und der Fahrt, die dieses schmale Buch über ganz alltägliche Abgründe aufnimmt, fast schon zur Nebensache.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2017
Für Rezensent Peter Urban-Halle ist Hanne Orstaviks nach zwanzig Jahren endlich auch auf Deutsch erscheinender Roman "Liebe" eine Art "Vorläufer" der gefühlsbetonten Literatur ihrer Landsmänner Knausgard, Espedal, Petterson oder Renberg. Denn in der Geschichte um die alleinerziehende Mutter Vibeke und ihren achtjährigen Sohn Jon, die isoliert nebeneinander leben, herrscht ebenso viel Einsamkeit, Sehnsucht und Selbstzweifel, meint der Kritiker. Und doch sticht Orstaviks Roman durch den bemerkenswert "nüchternen" und "minimalistischen" Stil hervor, in dem die Autorin die Sprachlosigkeit ihrer Protagonisten schildert. Ein virtuoses Buch, das tief bewegt, schließt der Rezensent.
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