Beginnend mit den allerletzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wird die Nachkriegszeit aus der Sicht eines jungen Mädchens geschildert. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder flieht die achtjährige Milli aus dem Osten in den Westen. Auf ihrer Reise durch das zerstörte Deutschland und bei ihrer Ankunft im Westen erlebt Milli die Veränderungen der Nachkriegszeit mit: Von den Zuständen der jeweiligen Besatzungszonen, der Rückkehr der Männer von der Front in den Haushalt und dem Leid, der Armut und dem Hunger, die der sechsjährige Krieg mit sich brachte. Helke Sander transportiert die Leserschaft in die Vergangenheit, indem sie die Realität eines kleinen Mädchens beschreibt, das mit Neugier, aber auch Unwissenheit ihr Umfeld aufnimmt. Dabei behält Sander stets die Erfahrungen von Frauen und Mädchen im Blick, um die wechselseitigen Geschlechterverhältnisse der Nachkriegszeit zu reflektieren.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.07.2026
Eine Erinnerungsreise von Berlin zuerst nach Trutnow in Tschechien, dann nach Dresden und Königsstein unternimmt Rezensentin Manuela Reichert mit Helke Sanders: Die fast neunzigjährige Schriftstellerin geht hier noch einmal im Geiste die Stationen durch, die sie als kleines Mädchen mit ihrer Mutter auf der Flucht passierte. Sanders erzählt fast konsequent aus der Kinderperspektive ohne dem Erlebten erwachsene Interpretationen hinzuzufügen, das gefällt der Kritikerin gut. Da ist von Bomben und Luftschutzkellern die Rede, aber auch von der mit Vergissmeinnicht bemalten Toilettenschüssel der Tante in Dresden. Das Mädchen Millie versteht nicht alles um sie herum, spürt aber deutlich die allgegenwärtige Gefahr. Es geht auch um die Vergewaltigungen durch die Rotarmisten, über die Helke Sanders schon Anfang der Neunziger schrieb und einen Film drehte, erklärt die Kritikerin. In wenigen Passagen springt Sanders in die Perspektive der Erwachsenen, wenn sie spätere Liebeserfahrungen mit dem Erleben des Kindes zusammenbringt, erklärt Reichert, die diese autofiktionale Geschichte über eine " gerade untergehende Welt" sehr zu schätzen scheint.
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…