Die vierhundertjährige Aufführungsgeschichte griechischer Dramen - von der Wiederentdeckung des "König Oedipus"in Vicenza (1585) über Peter Steins "Orestie" bis zu Frank Schwemmers Kammeroper "Medeamorphosen" (2007) - wird in diesem Band umfassend dargestellt. Allein den zahlreichen seit 1991 neuinszenierten antiken Tragödien ist ein über einhundertseitiges Kapitel gewidmet. Zeigt die ungebrochen lebendige Aufführungspraxis der antiken Stücke die Überzeitlichkeit ihrer Inhalte, so erweist die Tatsache ihrer Aufführungen auch in fremden Kulturkreisen ihre menschheitsgeschichtliche Allgemeingültigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2009
Das Buch ist die Aktualisierung eines Standardwerkes. Alterungserscheinungen kann Thomas Leuchtenmüller allerdings ohnehin kaum erkennen. Wann, so fragt er, war das antike Drama lebendiger als heute? Die Frage, warum Aischylos, Sophokles und Euripides, und eine Figur wie Medea immer noch relevant sind, beantwortet der erstmals 1991 publizierte Band laut Leuchtenmüller mit enormer Seherfahrung, analytischer Schärfe und (vom inflationären Gebrauch einiger Wörter abgesehen) sprachlicher Geschliffenheit. Die Bandbreite der ins Visier genommenen Inszenierungen (in Goethes Weimar, bei Disney und Woody Allen) findet der Rezensent bemerkenswert. Ein paar Illustrationen hätten den Lektüregenuss für ihn noch gesteigert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.04.2009
Was immer die Theaterwissenschaft heute treibt, eine Erfahrung wie diese Lektüre hat sie Peter Michalzik nicht zu bieten. Derart anschaulich und objektiv, gelassen und gebildet hat Michalzik noch kaum jemand übers Theater sprechen hören. Dabei geht der Historiker Hellmut Flashar in der Neuauflage seines erstmals 1991 erschienenen Buches nun verstärkt und in aller Subtilität, wie Michalzik versichert, auf die moderne Aufführungspraxis des antiken Dramas ein - eine nicht ganz leichte Aufgabe. Michalzik weiß um die Schwierigkeit, die Fäden zusammenzuhalten, das Kunstwerk in seinen Einzelaspekten (Geistes-, Zeitgeschichte, Musik, Übersetzung) zu fassen sowie den veränderten Kommunikationszusammenhang zu berücksichtigen. All das scheint Flashar zu meistern, durchaus skeptisch, aber mit sympathischer Empathie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.03.2009
Höchst erfreut zeigt sich Christopher Schmidt über diese Neuausgabe von Hellmuth Flashars Standardwerk zur Geschichte des griechischen Dramas, das jetzt bis in die Theater-Gegenwart reicht. Zunächst setzt sich der Rezensent gedankenreich mit der Aufführungsgeschichte von "König Ödipus" und anderen antiken Dramen auseinander, um dann auf Flashars Buch einzugehen. Mit Lob bedenkt er die Neugier des Autors, seine präzise Beobachtungen sowie seine empiriegesättigten Ausführungen über die Dramen selbst, ihre Bearbeitungen, Neudichtungen und Inszenierungen bis in die "feineren Verästelungen und toten Enden des Theaterbetriebs". Sein Fazit: eine "Zeitreise ins abenteuerliche Herz des Theaters".
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