Joachim Ringelnatz: Eine verdruckste Kaiserzeit-Jugend, als Seemann im Krieg, ein unglaublich reiches und kompromissloses Künstlerleben, die Münchner und Berliner Zwischenkriegs-Bohème, der Clash mit den Nazis und wahrscheinlich ein großes Glück für ihn ein früher Tod. Joachim Ringelnatz (1883-1934), den komischen Kauz und Dichter schräger Reime, wer mag ihn nicht? Aber Ringelnatz ist viel mehr. Sein Leben spiegelt das Elend, aber auch den Glanz der deutschen Vergangenheit wieder.: der Bürgersohn fliegt vom Gymnasium, weil er sich, von Samoanerinnen auf der Völkerschau fasziniert, tätowieren ließ. Als Seemann fährt er um die Welt, in München lernt er die Bohème kennen, schreibt seine ersten Gedichte. Und nach dem Ersten Weltkrieg wird Ringelnatz ein berühmter Mann: Bei seinen wilden Bühnenshows im Matrosenkleid trinkt, singt und brüllt er und zertrümmert auch mal Stühle. Mit seinen erotischen, zeitkritischen, kuriosen, aber auch schwermütigen Gedichten wird er so berühmt wie die Comedian Harmonists.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2015
Gründlich und liebevoll gelingt es dem Journalisten Hilmar Klute, dem hier rezensierenden Dichter Dirk von Petersdorff das Leben und Wirken des Joachim Ringelnatz nahezubringen. Richtig reingezogen wird der Rezensent von Klutes Stil. Den jungen Ringelnatz als Sportler beschreibt er im lockeren Streetstyle. Ganz nah kommt der Rezensent dem Dichter. Ganz fern wieder, wenn der Autor Ringelnatz auf Tuchfühlung mit der Dingwelt beschreibt. Eindringlich ist das für Petersdorff allemal. Ebenso die Schilderung der wilden 20er Jahre und des Absturzes des Künstlers in Armut und Bedeutungslosigkeit ab 1930. Die Verbindung von Scharfsinn und Gesang, wie sie der Künstler Ringelnatz verkörperte und wie sie der Autor im Buch festhält, lässt den Rezensenten dieses Schicksal respektvoll bedauernd zurück.
Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…