Jan Gerber

Fluchtpunkt Entebbe

Der linke Terrorismus und Israel
Cover: Fluchtpunkt Entebbe
Edition Tiamat, Berlin 2026
ISBN 9783893203383
Kartoniert, 160 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Vor 50 Jahren entführte ein arabischdeutsches Kommando eine Air France- Maschine und nahm eine Selektion jüdischer Passagiere vor. Jan Gerber beschreibt, wie damals die antizionistische Verbalmilitanz der Protestbewegung in offenen Antisemitismus umschlug.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.08.2026

Rezensent Wolf-Dieter Vogel liest interessiert Jan Gerbers Buch über die antisemitische Grundierung des militanten linken Extremismus in Deutschland, hat aber auch ein paar Einwände. Gerber rekonstruiert, wie stark die radikale Linke der 1970er und 1980er von antizionistischem Gedankengut durchdrungen war, das oftmals in offenen Antisemitismus umschlug. Das Buch geht auf diverse Aktionen und Verlautbarungen von Gruppierungen wie der RAF und den Revolutionären Zellen ein - letztere suchten besonders vehement den Schulterschluss mit radikalen Palästinensern und nahmen in ihren bewaffneten Aktionen immer wieder jüdische Einrichtungen und Personen ins Visier. Ein "regelrechtes Gruselkabinett" besichtigt Gerber da, meint Vogel, der allerdings kritisiert, dass der Autor ein zu einseitiges Bild zeichnet und spätere selbstkritische Einlassungen unter anderem von Teilen der Revolutionären Zellen nicht genug würdigt. Auch meint Vogel, dass Gerber nicht wirklich erklären kann, warum Antizionismus heute noch mehr als damals zu den zentralen ideologischen Bestandteilen der extremen Linken zählt. Insgesamt jedoch beurteilt Vogel die antizionistische Tradition der Linken ähnlich kritisch wie Gerber, dessen Buch, so das Fazit, "in erschreckender Weise" aufzeigt, dass "auch Linke keine Grenzen" kannten, wenn es gegen Juden geht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.07.2026

Rezensent Marko Martin liest das Buch des Historikers und Politikwissenschaftlers Jan Gerber mit großem Interesse. Anders als sensationslüsterne Filme nimmt Gerber Fakten und Kontexte um die "Revolutionären Zellen" von '68 ernst, meint Martin, und fügt dieselben besonnen zusammen. Martin lernt unter anderem, dass die Entführer der Air-France-Maschine nach Uganda 1976 eben keine Clowns waren, sondern kalkuliert vorgingen. Erhellende Parallelen zur Gegenwart zieht der Autor laut Martin, indem er den antisemitischen Wettbewerbsgeist linker Gruppierungen von damals mit Entwicklungen nach dem 7. Oktober 2023 vergleicht.

Beliebte Bücher

Caroline Wahl. 1999 Meter über dem Meer - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer
Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Heinz Strunk. Memories of Heidelberg - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Heinz Strunk: Memories of Heidelberg
Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub…
Tony Tulathimutte. Fiasko - Fiktionen . dtv, München, 2026.Tony Tulathimutte: Fiasko
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen…