Ein Leben wie ein Roman, voller Hoffnungen und Träume. Ruhm, Geld und Liebe, all das schien für Balzac immer in Reichweite zu sein, blieb ihm aber doch zeitlebens verwehrt. Johannes Willms schildert mit Verve, was Balzac umtrieb, im Leben wie in der Kunst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2007
Die große Verehrung, die Balzac in Frankreich und Großbritannien zuteil wird, hat der Dichter der Comedie Humaine in Deutschland nie erfahren, konstatiert Rezensent Andreas Kilb, den Deutschen seien Balzacs Konkursverwalter, Spekulanten und skrupellosen Bankies wahrscheinlich nie "tief" genug gewesen. Umso begrüßenswerter findet Kilb diese Biografie von Johannes Willms, der - im Gegensatz zu Stefan Zweig - auch nicht der Versuchung erliegt, wie der Rezensent feststellt, aus Balzacs Leben einen Roman zu machen. Willms wählt, so erfahren wir, einen sehr "nüchternen Blick" auf den Dichter und dessen eigenen "poetisch-ökonomischen Realismus". Meist findet Kilb dies auch sehr angemessen, vor allem wenn es um Balzacs Versteckspiel mit seinen Gläubigern geht, sein Dandy-Gehabe oder seine Mutter. Doch ein wenig schießt Willms nach Meinung des Rezensenten übers Ziel hinaus, wenn er Balzac zynisch erscheinen lässt. Die "kalte Cleverness" seiner Helden war Balzac nämlich selbst fremd, betont Kilb.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2007
Höchst zufrieden zeigt sich Claudius Seidl in der FAZ am Sonntag mit dieser Balzac-Biografie, von Johannes Willms. Er lobt die Darstellung des umtriebigen Schriftstellers, der zeitlebens vor seinen Gläubigern auf der Flucht war, als präzis, knapp, unbefangen und frei von Spekulationen und Idealisierungen. So entdeckt er etwa, dass Balzac selbst viele Fehler aufwies, die er bei seinen zahllosen Romanfiguren kühl analysierte. Vor allem aber nutzt Seidl seine Besprechung, um für die Lektüre von Balzacs umfangreiches Romanwerk "Die Menschliche Komödie" zu werben, das ihn immer wieder mit seiner Modernität, Wucht, Welthaftigkeit, Komplexität, Phantasie und Eleganz in einen wahren Sturm der Begeisterung versetzt.
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