Aus dem Amerikanischen von Bea Reiter, Imke Walsh-Araya. Die Schriftstellerin Mercer Mann sucht nach einer packenden Geschichte für ihren nächsten Roman. Da macht sie Bruce Cable, der charmante Buchhändler von Camino Island, auf ein Drama aufmerksam, das sich quasi direkt vor ihren Augen abspielt: Ein skrupelloses Bauunternehmen will sich eine verlassene Insel zwischen Florida und Georgia unter den Nagel reißen. Nur die letzte Bewohnerin der Insel, Lovely Jackson, stellt sich ihm in den Weg. Sie ist die Nachfahrin entflohener Sklaven, die dort seit Jahrhunderten gelebt haben, und will die Insel niemals profitgierigen Weißen überlassen. Mit Bruce Cables Hilfe nimmt sie den Kampf vor Gericht auf. Und vielleicht hilft ihr ja auch die alte Legende, dass jeder Weiße, der die Insel böswillig betritt, mit einem tödlichen Fluch belegt ist. Denn schon bald gibt es die ersten Toten …
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2025
John Grisham hat mit seinem nunmehr fünfzigsten Buch einen spannenden Meta-Krimi geschrieben, der Verbrechen mit US-amerikanischer Sklavereigeschichte und Climate Fiction verbindet, bekennt Rezensent Jan Wiele. Grisham erzeuge schon mit dem gelungenen ersten Satz "Keine der fünfzig Gäste trug Schuhe" ein Gefühl für den Schauplatz Florida, an dem eine Strandhochzeit stattfinde, auf der auch die Protagonistin, die Autorin Mercer Mann, zu Gast sei. Ein Buchhändler hat ihr ein Manuskript über eine verlassene Insel überreicht, resümiert Wiele, auf der Sklaven lebten, der Text ist von ihrer letzten Nachfahrin verfasst worden. Wiele freut sich über die kluge Verknüpfung des Manuskripts mit der Haupthandlung, in der ein Immobilienkonzern versucht, die Insel zu vereinnahmen und die Nachfahrin Lovely Jackson sich zu wehren versucht. Die "bösen Geister Amerikas", Sklaverei und Ausbeutung, auch an der Natur, fügen den nötigen Grusel bei, aber der Kritiker erkennt hier doch auch eine gelungene Satire auf das Literatur-Business, wie er schließt.
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