EPUB. Aus dem Französischen von Dorit und Gesa Engelhardt. Im Januar 2012 lassen sich Jonathan Littell und sein Fotograf von Angehörigen der Syrischen Befreiungsarmee heimlich ins Land schleusen. Seine Erlebnisse und Beobachtungen dort hat Littell in zwei Notizheften festgehalten. Was die Veröffentlichung dieser Hefte rechtfertigt , schreibt er selbst, ist die Tatsache, dass sie Bericht erstatten über einen Moment, der quasi ohne Zeugen von außen stattgefunden hat: die letzten Tage der Erhebung eines Teils der Stadt Homs gegen das Regime Baschar al Assads. Wie schon Littells eindrückliche Berichte aus den Krisengebieten Tschetschenien und Georgien reiht sich auch sein Text über Syrien ganz in die große Tradition der Kriegsreportage ein.
Lest dieses Buch, ruft Rezensent Andreas Fanizadeh allen und insbesondere auch den angesichts der Gräueltaten in Syrien untätigen "Pazifisten und Antiimperialisten" zu. In seinem Bericht dokumentiert Jonathan Littell in Form einer "tagebuchartigen Chronik" das Notizbuch, das er beim Inkognito-Besuch in den syrischen Bürgerkriegsgebieten rund um die Ortschaft Homs Anfang 2012 geschrieben hat. Dieses bietet nicht nur aus erster Hand einen erhellenden Einblick in die Mentalität der Rebellen der Freien Syrischen Armee, die sich gegen das Assad-Regime stellt, sondern schildert auch die erschütternden Gewalttaten von den Fronten des Guerillakriegs, schreibt der Rezensent, der seinen Hut zückt vor der Risikobereitschaft des Autors im Dienste der Wahrheit wider die "Propaganda der Staatsterroristen".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.07.2012
Arno Widmann wollte die Printausgabe nicht abwarten und hat Jonathan Littells Syrien-Reportage im E-Book gelesen, die der Hanser Berlin Verlag vorab herausgegeben hat. Littells Aufzeichnungen haben Widmann schier den Atem verschlagen. Der französisch-amerikanische Autor hat sich zusammen mit einem Fotografen in das schwer umkämpfte Homs geschlagen und erlebt die Kämpfe an der Seite der Aufständischen. Littell hat mit Ärzten, Soldaten und Lehrern gesprochen, mit Salafisten und Dschihadisten, er hört Berichte von Tod und Folter und ist Zeuge von strategischen Debatten oder Waffenkäufen. Widmann verfolgt dies gebannt, erkennt aber auch, dass die klugen und genauen Aufzeichnungen einfache Positionen unmöglich machen. Denn für Littell sind die Tage des Assad-Regimes ganz klar gezählt, doch die Aufständischen sind ihm, gelinde gesagt, nicht immer sympathisch. Widmanns glasklares Fazit: "Natürlich muss jeder halbwegs am Geschehen Interessierte Littells Aufzeichnungen lesen."
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…