Gedichte, zweisprachig spanisch-deutsch. Eingeleitet, ausgewählt und aus dem Spanischen übersetzt von Susanne Lange. Jose Kozers verlorene Heimat Kuba tritt durch eine Hintertür wieder in sein Leben, in seine Dichtung nämlich. In seinen Texten kehrt er in die verlorene Stadt der Kindheit und Jugend, nach Havanna zurück. Aber nicht in ein reales Havanna, wie man es auf Fotos und Stadtplänen wiederfinden kann, sondern in ein imaginiertes, irreales Havanna, das sich ihm allein aus der Erinnerung erschließt, die sich an Gerüchen, Lauten und Bildern festmacht .
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2009
Nico Bleutge stellt in einer Dreifachbesprechung Gedichtbände lateinamerikanischer Lyriker vor. In den Gedichten des 1940 in Havanna geborenen Jose Kozer spielt Erinnerung die Hauptrolle, erklärt der Rezensent. Neben der Flüchtigkeit, die aus den Versen spreche, und den literarischen und mythologischen Referenzen trete aber auch immer wieder die Erfahrungswelt des Autors in Erscheinung, so Bleutge. Kozer, den man oft mit Apollinaire und Walt Whitman verglichen habe, schreibt gegen das "Nichts" und das "Vergessen" an und hat in Susanne Lange eine Übersetzerin gefunden, die ihm bis in die "kleinsten rhythmischen Schlenker" folgt, wie der Rezensent lobt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2008
Mit großer Begeisterung bespricht Florian Borchmeyer die erstmals auf Deutsch erschienene Lyriksammlung des Exilkubaners Jose Kozer, die er als Hommage des Dichters an seine karibische Heimat sowie an seine jüdischen Wurzeln gelesen hat. Durch seine unverwechselbare Sprache erwecke der Autor darin die Orte seiner Kindheit zu neuem Leben, ohne jedoch der üblichen Nostalgie anheim zu fallen. Der Rezensent schätzt vor allem die Subtilität von Kozers lyrischer Spurensuche sowie dessen unermesslichen Wortschatz, der fern aller Glorifizierung ein lebendiges und sehr individuelles Bild Havannas zeichne. Sensibel ausgewählt habe die Übersetzerin Susanne Lange die vorliegenden Gedichte, die dem Rezensenten zufolge als "Produkt einer Sprachmystik" anzusehen sind, die auf kabbalistischen Gedanken beruht. Nach Ansicht Borchmeyers nimmt Kozer, den er als "bedeutensten lebenden Dichters Kubas" preist, damit eine "Sonderstellung" in der lateinamerikansichen Literatur ein.
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