Der Wehrmachtsgeneral Walther von Seydlitz-Kurzbach geriet Anfang 1943 in Stalingrad in russische Kriegsgefangenschaft. Dort engagierte er sich im "Bund Deutscher Offiziere" und im Nationalkomitee "Freies Deutschland". Er stellte sich damit gegen Hitlers Kriegspolitik. Für die Nationalsozialisten ein Landesverräter, wirkte diese Stigmatisierung in der Bundesrepublik weiter. In der DDR zählte Seydlitz hingegen zu den "antifaschistischen Kräften". Die Rezeption des General Seydlitz ist beispielhaft für die unterschiedliche Rezeption der Geschichte der Wehrmacht und des Widerstands im "Dritten Reich" nach 1945 in beiden deutschen Staaten. Julia Warth geht anhand der Biographie des Generals verschiedenen Fragen nach: Wie verhielt er sich vor seiner Opposition im Vernichtungskrieg? Was bewog ihn zum Widerstand gegen Hitler? Und wie entstanden so unterschiedliche Bilder von seiner Rolle in der NS-Zeit?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006
Julia Warth hat eine gründlich recherchierte Biografie des Stalingrad-Generals Walter von Seydlitz-Kurzbach geschrieben, findet Paul Stauffer. Dabei habe die Autorin die biografischen Fakten von Anfang an daraufhin untersucht, ob sie Anzeichen dafür erkenne ließen, dass sich Seydlitz-Kurzbach nach der Schlacht um Stalingrad in sowjetischer Gefangenschaft dem kommunistischen deutschen Widerstand anschließen würde. "Detailreich zeichnet Frau Warth die emotionsbefrachtete Auseinandersetzung um die moralische Bewertung und historische Einordnung" des Wehrmachtsoffiziers nach, lobt Stauffer. Während die Autorin feststellt, dass Seydlitz heute überwiegend als Widerstandskämpfer anerkannt wird, würde der Rezensent ihn lieber als "Exil-Oppositionellen besonderer Art" bezeichnen. Insgesamt habe Warth mit der Biografie eine Forschungsleistung von "außergewöhnlich hoher Qualität" erbracht. Allein die Unterbrechung des eigentlich lebendigen Erzählflusses durch Theoriegeplänkel mindere ein wenig das Lesevergnügen, so Stauffer.
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