Aus dem Englischen von Alexander Pechmann. Youma ist jung, schön und stolz, nur frei ist sie nicht. Ihre Mutter ist eine "da", die Amme in einem Haus reicher weißer Kreolen auf Martinique. Sie genießt Respekt und Privilegien, aber auch wenn sie und Youma zur Familie gehören, sind sie Sklavinnen. Als die Tochter des Hauses kurz nach der Hochzeit und der Geburt eines Mädchens stirbt, wird Youma zur "da" der kleinen Halbwaise. Wie eine Mutter zieht sie Mayotte auf, tröstet sie mit den fabelhaften Geschichten kreolischer Volksmärchen, wird ihr zur Lebensretterin. Als in dem Dorf und auf der Plantage inmitten tropischer Vegetation ein Sturm des Aufruhrs über die Gesellschaft aus Freien und Unfreien hereinbricht, ist Youma gezwungen, eine folgenreiche Entscheidung zu treffen.
Rezensent Hubert Winkels kann von Lafcadio Hearn gar nicht genug lesen. Allein wie der irisch-griechische, schon zu Lebzeiten legendäre Schriftsteller, dessen Werke das Japanbild bis heute weltweit prägen, verschiedene Gattungen, Schreibarten und Erzählstrategien verschwimmen lässt, ringt dem Kritiker größte Anerkennung ab. Wenn Hearn in seinen Reportagen und Romanen philosophische Betrachtungen und abenteuerliche Wendungen mischt und dabei präzise, bis an die "Grenze des Vorstellungsvermögens" reichende Beschreibungen liefert, wird Winkels geradezu zu umgehauen von der "Wucht" dieser "animistischen" Texte. Und so weiß der Kritiker gar nicht, ob er erst die beiden neu übersetzten Karibik-Romane "Chita" und "Youma" oder Hearns nun unter dem Titel "Vom Lasterleben am Kai" erschienene Reportagen über Wanderarbeiter und entlassene Sklaven aus Cincinnati und New Orleans lesen soll.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.04.2016
Rezensentin Jutta Person preist die jetzt erschienene deutsche Übersetzung von Lafcadio Hearns Karibikroman von 1890 als Kleinod in neuer Pracht. Die Geschichte einer Sklavin auf Martinique während des Sklavenaufaufstands von 1848 fasziniert Person naturgemäß weniger wegen ihres das Inseldasein feiernden Exotismus und "positiven Rassismus'", sondern wegen der vom Autor eingestreuten kreolischen Mythen und Märchen, mit denen der Weltreisende Hearn laut Rezensentin eine fremde Erzähltradition lebendig werden lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2016
Andreas Platthaus ist hin und weg von Lafcadio Hearns Kurzroman aus dem Jahr 1890, neu und laut Rezensent brillant übersetzt von Alexander Pechmann. Das tragische Leben einer Sklavin auf Martinique schildert ihm der Autor in gekonnter Mischung aus lokalen Mythen und auf eigener Anschauung basierender Milieuschilderung. Platthaus hört Kipling sprechen und Henry James, derart beeindruckt ihn der Autor mit seiner Beschreibungsgenauigkeit bei der Darstellung sozialer Verhältnisse und Figurenpsychologie. Teilnehmende Beobachtung in Romanform - für Platthaus schlicht mitreißend.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen…