Luchterhand Literaturverlag, München 2026
ISBN
9783630878393 Gebunden, 288 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Auf einem Werbedisplay in der unterirdischen Taipei Mall. So sieht die junge Ärztin Novana ihre Mutter wieder, die taiwanische Künstlerin March. Achtzehn Jahre ist es her, dass March sie ohne jede Erklärung in Deutschland zurückließ. Alles, was Novanas Leben zuletzt bestimmt hat, verblasst angesichts dieses unerwarteten Wiedersehens: ihr Wunsch nach einem Neuanfang, der sie aus Köln weggehen ließ. Der Alltag auf der Neugeborenen-Intensivstation in Taipei. Die Nächte, in denen sie schlaflos durch die Millionenstadt streift. Dann lernt Novana auf einem Karaokeabend Sihan kennen. Eine furchtlose Aktivistin - lebendig, entschlossen. Novana fühlt sich zu ihr hingezogen, und etwas, das längst verloren schien, kehrt in ihr Leben zurück: die Möglichkeit von Nähe.Eindringlich und radikal klar erzählt Leh-Wei Liao von widerständigen Frauen, von Begehren und Verletzungen und der unsicheren Zukunft Taiwans - und stellt die Frage, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
"Heillos überladen" lautet die Diagnose von Rezensentin Katharina Borchardt, nachdem sie Leh-Wei Liaos Debütroman gründlich inspiziert hat. Darin erzählt Liao von der jungen Kinderärztin Novana, die aus Köln nach Taipei zieht, nachdem ihre Mutter sie als Kind allein in Deutschland zurückgelassen hat. Symptome der diagnostizierten Maßlosigkeit sind zum Beispiel diese: Die Plethora überflüssiger Details, die Agglomeration diverser Themen, und die zwanghafte Projektion psychischer Vorgänge auf die Außenwelt. Sicherlich gibt es Leserinnen und Leser, die an derart prall gestopften Romanen ihre Freude haben, glaubt Borchardt. Sie selbst gehört offenbar nicht dazu. Die zahlreichen ausführlichen Beschreibungen medizinischer Vorgänge etwa oder feinster emotionaler Verschiebungen, ermüden sie. Und die Fülle an Themen empfindet Borchardt als belastend. Es geht um Migration und Dating, um Queerness, Medizin, Kunst, die Geschichte Taiwans, vor allem aber um Novanas existenzielle Verlassenheit, die derart penetrant vom Text gespiegelt wird, dass dieser Text selbst wie eine der Installationen von Novanas Künstler-Mutter wirkt. Auch diese Aufgeladenheit ist wahrscheinlich Geschmackssache, auf die Rezensentin wirkt sie beklemmend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.08.2026
Rezensentin Judith von Sternburg empfiehlt wärmstens den Roman der in Göttingen geborenen Ärztin Leh Wei Liao. Der Autorin gelingt es laut Sternburg, gleichzeitig überzeugend über das Muttersein, über die Probleme von Deutsch-Taiwanesen in der Heimat der Eltern und über die Liebe zu schreiben. Dabei werden heftige Erfahrungen auf natürliche Weise vermittelt, auch von der Intensivstation für Neugeborene in Taipei, wo die Protagonistin arbeitet, erklärt Sternburg. Mit stimmiger Dramaturgie und nüchternem, eher leisem Ton berichtet die Autorin über Verwundungen und Schmerz und über das Fremdsein, so Sternburg. Dass Leh Wei Liao nicht alles erklärt und einige Sätze auf Mandarin nicht übersetzt, hält Sternburg für einen Gewinn.
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