Aus dem Englischen von von Thorsten Schmidt. Warum stehen in New York so viele Wolkenkratzer? Warum hat sich dagegen in London ein so weit reichendes U-Bahn-Netz entwickelt? Zufall? Menschlicher Einfallsreichtum? Nein, sagt Lewis Dartnell, die Gründe reichen viel tiefer in die Vergangenheit - bis zur Geburtsstunde unseres Planeten. Denn alles, was unsere moderne Welt ausmacht - seien es Metropolen, technische Errungenschaften oder globale Handelswege -, hat seinen Ursprung in der natürlichen Beschaffenheit der Erde: ihrem Klima, ihrer Landschaft, ihren geologischen Veränderungen. In "Ursprünge" deckt er das Zusammenspiel aus Kräften auf, das die Umwelt geformt, die Evolution gesteuert und letztendlich unsere Gesellschaft gebildet hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2019
Rezensent Ulf von Rauchhaupt lernt bei dem britischen Kommunikationswissenschaftler Lewis Dartnell die geowissenschaftlichen Ursprünge des Menschen kennen. Wie natürliche Faktoren Städte, Schifffahrt oder den Kapitalismus bedingten, kann ihm der Autor anhand zahlreicher Beobachtungen veranschaulichen, auch Dartnells astrobiologische Exkurse liest der Kritiker mit Interesse. Dass ihm bei der Fülle an Informationen kleinere Fehler unterlaufen, kann Rauchhaupt verzeihen ebenso wie die Tatsache, dass Menschheitsgeschichte offenbar nicht zu Dartnells Steckenpferden zählt.
Annett Jensen lernt von Lewis Dartnell, wie Kalksteingebirge aus den Sedimenten von Schalentieren entstanden und vieles mehr. Die ganze Menschheitsgeschichte und Erdgeschichte in einem Buch zusammenzufassen, hält sie zwar für ein gewagtes Vorhaben, das Walten von Geologie und Klima, die Entstehung unserer Spezies und die Zusammenhänge zwischen beidem vermag ihr der Autor jedoch auf spannende Weise verständlich zu machen. Das Fehlen einer Chronologie erschwert Jensen die Lektüre allerdings. Und bei all dem von Dartnell angeregten Nachsinnen über die Beschleunigung unserer Entwicklung und über das rasende Artensterben wird der Rezensentin ganz schwindlig.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.05.2019
Könige, Kaiser und Diktatoren mögen kommen und gehen, die Erde bleibt und ihre Struktur, ihr geologischer Untergrund bestimmt unser Leben viel stärker als wir ahnen. Das hat ein angeregter Rezensent Volkart Wildermuth aus diesem Buch des britischen Astrobiologen Lewis Dartnell gelernt. Demokratie? Ist das Ergebnis der Küstenlinie Griechenlands. Kapitalismus? Wurde in Holland entwickelt als Antwort auf die Gefahren des Meeres. Das Wahlverhalten von Briten und Amerikanern? Ist von Meeresarmen geprägt. Wildermuth staunt, hat manchmal Mühe, dem sprunghaften Autor zu folgen, wird aber durch kluge Einsichten und eine "bildreiche" Sprache entschädigt.
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