Mit einem Nachwort herausgegeben von Christoph Haacker. Mit Ludwig Winder (1889-1946) ist in den letzten Jahrzehnten ein Prager deutscher Autor als bedeutender europäischer Erzähler wiederentdeckt worden. In Prag war Ludwig Winder, dessen Romane an Joseph Roth oder Ernst Weiss erinnern, schon zu Lebzeiten berühmt, eine zentrale Figur des kulturellen Lebens: Er trat nach dem Tod von Franz Kafka an dessen Stelle in jenem legendären Vierer-Zirkel, den Max Brod später als den "engeren Prager Kreis" bezeichnete. Als Kulturredakteur der traditionsreichen "Deutschen Zeitung Bohemia" spielte Winder eine wichtige Rolle, besonders als ein Vermittler, der sich dem fruchtbaren Miteinander von Deutschen, Tschechen und Juden verschrieben hatte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2004
Sehr angetan zeigt sich Rezensent Hartmut Binder angesichts der Wiederveröffentlichung des 1943 in England entstandenen, letzten Romans von Ludwig Winder, die der in der böhmischen Literatur engagierte Wuppertaler Arco Verlag besorgt hat. Man könne schon dankbar sein, wenn im Nationalisozialismus verfemte Schriftsteller und Journalisten wie der aus Mähren stammende Winder heutzutage wieder zu lesen sind. In dem mit einem "ausgezeichneten" Nachwort versehenen Roman unterstützt ein Angestellter des Prager Eisenbahnministeriums tschechische Untergrundkämpfer, indem er sie mit Informationen über die Fahrpläne deutscher Militärzüge zwecks Sabotage versorgt und so aktiv im Kampf gegen Nazideutschland mitwirkt. Die hehre Absicht in allen Ehren, sich qua Literatur mit dem tschechischen Widerstand solidarisch zu zeigen, bemängelt der Rezensent die offenkundigen literarischen Schwächen des Werks. Eindimensionale Charaktere, eine deutliche propagandistische Tendenz sowie eine maßlose Übertreibung der tatsächlich stattgefundenen Eisenbahnsabotage veranlassen Binder dazu, dem Buch nur noch literaturhistorischen Wert beizumessen. Es zeige sich "in bestürzender Weise, was politischer Druck, persönliches Leid und materielle Not im Bewusstsein eines an sich redlichen, um Objektivität bemühten Schriftstellers anrichten können".
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…