Nahezu alle Ursprungsmythen der Menschheit entwerfen den Menschen als Kulturwesen. Schon in den Paradiesphantasien leistete er Arbeit, wenn auch im Einklang mit seiner Natur. Noch war ihm die Unterscheidung zwischen Plackerei und Müßiggang fremd. Das sollte sich jedoch jäh ändern. Der süße Traum vom Nichtstun wurde geboren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.09.2012
Mit viel Lob bedenkt Rezensent Thomas Strässle diesen kulturgeschichtlichen Essay über die Faulheit von Manfred Koch. Neben den Mythen über die Faulheit, der Geschichte der Faulheit und der Faulheit als Zivilisationskritik findet er darin auch ein erhellendes Kapitel über den "trägen Helden der modernen Literatur". Das Thema scheint Strässle faszinierend, seine Aufbereitung durch Koch rundum gelungen: Der Essay bietet ihm eine Fülle von Facetten zur Faulheit von der Antike bis heute. Er schätzt die kluge und hervorragend lesbare Darstellung. Sein Fazit: eine lehrreiche, unterhaltsame und auch amüsante Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2012
Hannah Lühmann empfiehlt Manfred Kochs Vrevier über die Faulheit als entspannte Ferienlektüre, zählt aber in ihrer Rezension hauptsächlich auf, was ihr darin fehlt: Sie findet keine Herleitung des heutigen Arbeitsethos aus der christlichen Moral, keine Begriffsgeschichte und auch keine Begründung, weshalb in Mythen fast immer Frauen den Menschen die Mühsal eingebrockt haben. Trotz aller Mängel reißen die versammelten Anekdoten, Mythen und Geschichten die Rezensentin aber immer wieder mit. Ihr fällt auch auf, dass der Autor das "begrenzt schöne Laster" nicht zu sehr verherrlicht und sich dadurch positiv von der Masse der Muße-Bücher abhebt. Zwischen Rousseau und der Bibel, dem Schlaraffenland und Arkadien pendelnd hat Hannah Lühmann auch noch etwas über die Widersprüchlichkeiten der Faulheit lernen können.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.06.2012
Ganz und gar nicht faul war Manfred Koch beim Abfassen dieses Essays über das "reizvolle Thema" Faulheit, bemerkt Burkhard Müller, der sich gerne vom Autor auf einen Ritt durch die abendländische Geistesgeschichte hat mitnehmen lassen, in der man von der Genesis bis zu Thomas Mann allerhand über Faulheit erfahre. Umso schöner findet es der Rezensent, dass Koch das Material "elegant und unterhaltsam" vorstelle und mit "gedankenreichen Anmerkungen" aufbereite, denen der Bogenschlag von den alten Klassikern zu aktuellen Reizthemen wie Grundeinkommen und Hartz IV gelinge. Die Lektüre lohne also allemal, schreibt Müller, auch wenn er sich eine etwas persönlichere Note gewünscht hätte und manche essayistische Zuspitzung - etwa über das dem Menschen vorbehaltene Privileg der Faulheit gegenüber dem Tier - nicht dem Text selbst zu entnehmen ist, sondern den Schlussfolgerungen des Lesers überlassen bleibt.
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