Marc David Baer

Kinder Abrahams

Das lange Jahrtausend muslimisch-jüdischer Geschichte
Cover: Kinder Abrahams
Rowohlt Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783498007904
Gebunden, 496 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Angesichts der gegenwärtigen kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten wird oft übersehen, dass Muslime und Juden eine lange, komplexe, eng verflochtene Geschichte teilen, die über 1400 Jahre in die Vergangenheit reicht - und nicht immer standen sie sich als Feinde gegenüber. Manchmal waren sie Verbündete, oft sogar Freunde. Heute betrachten wir muslimisch-jüdische Beziehungen fast ausschließlich vor dem Hintergrund des immer stärker eskalierenden Israel-Palästina-Konflikts seit 1948. Der Historiker Marc David Bear will mit seiner umfangreichen Darstellung zeigen, dass Interaktionen zwischen Juden und Muslimen seit ihren ersten Begegnungen zur Zeit Mohammeds vielfältig waren und das ganze Spektrum menschlicher Emotionen umfassten - von Liebe und Freundschaft über Gewalt und Hass. Er erzählt von Jahrhunderten jüdisch-muslimischen Lebens etwa in Spanien, Marokko oder der Türkei. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.08.2026

Marc David Baer hat ein kluges Buch über die 100 Jahre alte Geschichte der Koexistenz muslimischer und jüdischer Menschen in arabisch geprägten Regionen geschrieben, meint Rezensent Thomas Groß. Baer hält sich fern von den emotional aufgeladenen Streitfragen, die die Aktivisten der Gegenwart umtreiben und wendet sich insbesondere gegen zwei Mythen: Weder waren Muslime und Juden stets Todfeinde, noch gab es jemals ein goldenes Zeitalter friedlichen Miteinanders. Stattdessen ist die Geschichte, über die Baer schreibt, die "zweier sich misstrauisch beäugender Geschwister" und stets vom jeweiligen historischen Kontext geprägt. Juden können in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften zwar teils wichtige Funktionen einnehmen, ihren Status als lediglich geduldete Minderheit verlieren sie freilich nie. Baer zeichnet auf diese Weise ein komplexes Bild von den Verhältnissen im mittelalterlichen Nahen Osten und zeigt weiterhin auf, wie sich die Situation verändert, als moderne Nationalstaaten auf den Plan treten. Arg kleinteilig ist das teilweise schon, stellt Baer klar, aber gerade der Verzicht auf verkürzte Darstellungen ist auch die Stärke des Buches. Denn dadurch wird klar, dass Geschichte nicht linear verläuft, sie ist ein "gestaltbarer Prozess". Groß hofft, dass die Schreihälse der Gegenwart daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

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