Mit einem Nachwort von Bini Adamczyk. Von der sowjetischen Geschichtsschreibung zum Mörder und Banditen degradiert, von den Anarchisten in aller Welt als Held, als ukrainischer Che Guevara verherrlicht, hat Nestor Machno (1888-1934), der Führer der legendären Volksbewegung und Bauernarmee Machnowtschina, den Ausgang des russischen Bürgerkriegs entscheidend beeinflusst. Unter der schwarzen Fahne der Anarchie führte Machno von 1918 bis 1921 einen kompromisslosen Partisanenkrieg gegen Alle - gegen Anhänger des Zaren, Bolschewiken, ukrainische Nationalisten, deutsche und österreich-ungarische Truppen - und für die kollektive Selbstverwaltung der Bauern und Arbeiter in einer herrschaftsfreien staatenlosen Gesellschaft.
Aus Memoiren, Berichten, Verhörprotokollen und Briefen von Zeitzeugen hat Mark Zak ein vielstimmiges Porträt des überlebensgroßen Bauernführers zusammengestellt.
Mit großem Interesse, aber nicht uneingeschränkt positiv bespricht Katrin Hillgruber das vorliegende Porträt eines einst in der Ukraine berühmten und heute - zumindest außerhalb der Ukraine - völlig unbekannten Anarchisten. Aber Nestor Machno führte in der Ukraine eine Armee von 100.000 Mann (und Frau) an, und er taktierte militärisch höchst geschickt. Die Herzen der Bauern flogen ihm zu. Lenin und Trotzki benutzten ihn hingegen und verrieten ihn, legt Hillgruber dar. Immer wieder zitiert sie dabei einen ebenfalls vergessenen deutschen Anarchisten mit dem schönen Namen Rudolf Rocker, der in dem Band wichtige Zeugnisse über Machno liefert. Der sicher verdienstvolle Band leidet für die Kritikerin allerdings an zwei Nachteilen: Bini Adamczaks Nachwort sei mager und außerdem in wenig sachdienlichem Gender-Sprech verfasst, und mit keinem Wort gehe Mark Zak auf Machnos wichtige Schrift "Das ABC des revolutionären Anarchismus" ein. Dennoch, so entnimmt man Hillgrubers Artikel, wird hier ein faszinierendes Kapitel europäischer Geschichte aufgeschlagen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.10.2018
Rudolf Walther empfiehlt das von Karin Beindorff und Mark Zak aus zeitgenössischen Quellen zusammengestellte Lebensbild des ukrainischen Volkstribuns Nestor Machno. Gegen die Verzerrungen des anarchistischen Bauernführers bietet der Band laut Rezensent Zeugnisse von Wegbegleitern, Verwandten und von Machno selbst, ohne Machno allerdings zum Helden umzufrisieren. Für Walther entsteht ein realistisches Bild des Revolutionärs und Lenin-Kontrahenten und entreißt einen Verlierer der Geschichte dem Vergessen.
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