Herausgegeben von Daniel Kehlmann. Aus dem Englischen von Joachim Kalka. Martin Amis porträtiert Salman Rushdie, Steven Spielberg oder Donald Trump, schreibt über Kafka oder Cervantes, über die schwarzen Löcher und toten Winkel unserer Gesellschaft. Seine Stimme bekommt eine sentimentale Tiefe, wenn er von der Königsfamilie erzählt, er begleitet Tony Blair zu Angela Merkel, beobachtet das gleichzeitige Heranströmen von Oktoberfestbesuchern und Flüchtlingen in München, schreibt über nukleare Aufrüstung und den Krieg gegen das Klischee, stets die Zwischenräume, Auslassungen und Verzerrungen unseres Denkens im Blick.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2019
In höchsten Tönen lobt der Kulturwissenschaftler Jan Wilm diesen von niemand anderem als Daniel Kehlmann herausgegebenen Band mit ausgewählten Essays Amis', die immerhin eine Spanne von über 35 Jahren überbrücken. Besonders eindringlich erschienen ihm einerseits die Texte über den Terrorismus und "Nine-Eleven" als Chiffre, zum anderen zwei Texte über Donald Trump, dessen innere Beweggründe "unter dem Omelett seines Make-Ups mit Bräungscreme" Amis unter anderem durch intensive Lektüre von Trumps Büchern zu entschlüsseln versuche. Ein weiteres wichtiges Element neben den scharf ironischen politischen Essays, sind die wohl eher von Bewunderung getragenen Texte über andere Schriftsteller, etwa Salman Rushdie, Frank Kafka und besonders Vladimir Nabokov. Auch Joachim Kalkas Übersetzung findet Wilms Anerkennung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.01.2019
Rezensentin Johanna-Charlotte Horst liest Martin Amis' Essays, Reportagen, Literaturkritiken und Porträts mit gemischten Gefühlen. Was beim ersten Lesen als Stilkritik erscheint, ist dann doch politisch, entdeckt sie, ob Amis nun mit Tony Blair unterwegs ist oder über seine Haltung zum Islam und zum Islamismus spricht. Dass der Autor gleichermaßen gegen linke wie rechte Dogmatik angeht, wird ihr deutlich, ebenso, dass der Autor den Islam für eine Bedrohung hält, womit er für sie tendenziell in der rechten Ecke steht. Unbefriedigend findet sie das ihr wenig präzise erscheinende Vorwort des Herausgebers Daniel Kehlmann in dieser Hinsicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2018
Rezensentin Gina Thomas lernt den Stilisten Martin Amis kennen mit diesen von Daniel Kehlmann herausgegebenen Essays, Reportagen und Literaturkritiken des britischen Schriftstellers. Ob Amis nun Trumps Texte dekonstruiert oder Joyce als bewundernswürdig, aber langweilig darstellt, Thomas freut's. Die politischen Kommentare im Buch überzeugen sie weniger als die Kritiken, Reportagen und Menschenbeobachtungen, etwa auf dem Münchner Oktoberfest. Etwas willkürlich erscheint ihr die Auswahl, erklärende Fußnoten vermisst sie und das englische Original scheint ihr trotz aller Flüssigkeit der Übersetzung doch noch lesenswerter. Die Vorzüge des Bandes scheint das nicht ernsthaft in Frage zu stellen.
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