August 1989: Aktivistinnen organisieren ein scheinbar harmloses Picknick an der österreichisch-ungarischen Grenze - direkt am Eisernen Vorhang. Tausende ostdeutsche "Urlauberinnen" warten auf ungarischen Campingplätzen auf ihre Chance zur Flucht, überwacht von Stasi-Agenten. Das "Paneuropäische Picknick" wird zum größten Grenzdurchbruch des Kalten Krieges: Hunderte fliehen vom kommunistischen Osten in die ersehnte Freiheit des Westens. Basierend auf Interviews erzählt Matthew Longo eine Geschichte vom ersten Riss des Eisernen Vorhangs und der Geburt einer neuen Weltordnung. Longo analysiert Chancen, die in diesem entscheidenden Moment genutzt wurden - und jene, die versäumt wurden.
Insgesamt gut gefällt Rezensent Marcus Heumann Matthew Longo Buch über den Fall des Eisernen Vorhangs im Ungarn des Jahres 1989. Im Zentrum steht die Flucht einiger DDR-Bürger von Ungarn nach Österreich im August 1989 anlässlich der eigentlich nur symbolisch gemeinten Demontage einer Grenzanlage, so Heumann. Interessant findet er, wenn Longo nachzeichnet, wie es dazu kam, unter anderem spielte die 1988 in Ungarn gewährte Reisefreiheit eine Rolle, allgemeiner die Konflikte zwischen Reformern und Hardlinern in der ungarischen Regierung. Auch in deutschen Archiven recherchierte der Politologe Longo für dieses Buch, wobei ihm freilich laut Heumann nicht nur einige simplifizierende Formulierungen, sondern auch diverse Detailfehler unterlaufen sind. Das Nachleben der Grenzöffnung bis in die Gegenwart wiederum wird von Longo etwas arg langatmig beschrieben, kritisiert der Rezensent. Insgesamt scheint Heumann dennoch einiges anfangen zu können mit einem Buch, das nicht einzelne herausragende historische Figuren ins Zentrum stellt, sondern das Handeln vieler.
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