Eisele Verlag, München 2026
ISBN
9783961612901 Gebunden, 256 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig. Alles beginnt mit einer Irrfahrt: Ende des 19. Jahrhunderts landet der Franzose Lonsonier schiffbrüchig und krank in Chile statt in Kalifornien. Mit nichts als einem Weinstock im Gepäck legt er in Santiago den Grundstein für eine Dynastie, die über vier Generationen hinweg zwischen den Kontinenten zerrissen bleibt. Miguel Bonnefoy erzählt vom Sohn Lazare, der für ein ihm fremdes Frankreich in die Schützengräben zieht, über die Flugpionierin Margot bis hin zum Revolutionär Ilario, der der Pinochet-Diktatur in einer waghalsigen Flucht über die Anden entkommt. Es ist eine Geschichte von Migration, Identität und unbändiger Resilienz.
Mitreißend und spannend ist Miguel Bonnefoys Roman über die Geschichte einer Weinbauer-Familie, die im 19. Jahrhundert nach Chile auswandert, versichert Rezensent Dirk Fuhrig. Schon der erste Urahn, der mit einer einzelnen Weinrebe im Gepäck nach Südamerika kommt, wird mit Humor eingeführt: Er versteht kein Spanisch und gibt statt seines Namens seinen Geburtsort an. Die Grenzbeamten machen daraus schließlich "Lonsonier". Zu Wohlstand kommt die Familie mit Weingütern, sie bleiben unter anderen Franzosen, ein Sohn zieht für Frankreich in den Ersten Weltkrieg, seine Tochter fliegt für England im Zweiten Weltkrieg, erklärt Fuhrig, der Bonnefoy für die Leistung applaudiert, diese historisch bedeutenden Verbindungen zwischen den Kontinenten deutlich zu machen. Besonders beeindruckend zeigt er dem Kritiker zufolge auch auf, wie Chile in die Diktatur geschlittert ist, wie sich Allende erschoss, wie die Bevölkerung "wie bei einer Einkesselung" zwischen Denunziation und Folter lebte. Trotz eines etwas gehetzten Endes liest Fuhrig hier ein überaus gelungenes Buch über die verrückten Irrläufe des 20. Jahrhunderts und die individuelle Suche nach dem Glück.
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