Gibt es ein schlimmeres Gefühl, als jemanden zu lieben und nicht zurückgeliebt zu werden? Ist das dann überhaupt Liebe oder nur ein Traum, ein Wunsch, eine Flucht vor der Wirklichkeit? Und was hilft gegen Liebeskummer - Schokolade, Alkohol, Seriengucken … oder gar Philosophie? Die Philosophin Miriam Metze zeigt in ihrem Buch, dass die Erfahrung, nicht zurückgeliebt zu werden, viel mehr sein kann als bloß eine lästige Nebenwirkung unseres amourösen Daseins - nämlich der Ausgangspunkt eines produktiven Denkens, mit dem sie die Frage nach dem Wesen der Liebe neu stellt. Dabei schlägt sie einen weiten Bogen von der antiken Philosophie und biblischen Referenzen über jüdische Mystik und die Philosophie der Renaissance hin zu den jüngsten Auseinandersetzungen unserer Gegenwart. Von Sokrates bis Hannah Arendt, von Rilke bis Bachmann lernen wir, dass Liebende abenteuerlustig (und blöd) sein müssen, dass Romantik nicht immer das ist, was sie zu sein scheint und dass vielleicht letztlich doch alles nicht so schlimm ist, wenn nur die Perspektive stimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2026
Einst sprach man mehr von unerfüllter Liebe, seufzt Rezensent Tobias Schweitzer, heute verstecken wir uns hinter pseudoreflektierten Ausdrücken wie "Lovebombing" oder "Gaslighting". Entsprechend hat die Wiener Philosophin Miriam Metze in ihrem neuen Buch fast "unzeitgemäße" Überlegungen angestellt. Ihr geht es nämlich um die unerwiderte Liebe, jene Liebe, die nicht traurig auseinanderbricht, die nicht auf Gegenseitigkeit beruht, sondern die "im subjektiven Wollen gefangene", die einseitig erlebt wird und irgendwie heutzutage selten geworden scheint, lesen wir. Philosophiegeschichtlich ist für Schweitzer interessant, dass diese Einseitigkeit dazu führt, dass Theoretikerinnen wie Simone de Beauvoir etwa diese Liebe gar nicht als richtige Liebe sehen, Metze argumentiert aber für ihn schlüssig, dass sich gerade in der nicht-reziproken Eigensinnigkeit ein Grundmoment der Liebe allgemein zeigt, weil sie "nichts mit Zwecksetzung zu tun hat". Sie interessiert sich, wie er betont, auch für die Kraft, die darin steckt und der Kritiker ist so erstaunt wie überzeugt von ihrer These, dass Liebende und Heldenfiguren der Literatur im Erleben des Kontingenten, Unvorhersehbaren eine Menge gemeinsam haben. Ein bisschen eklektisch sind ihre Bezüge auf Literatur und Philosophie schon, räumt er ein, versichert aber, dass sich dadurch ganz ungeahnte, auch historisch-politische Kontexte öffnen. Ein Buch, das wunderbar gegen den Selbstoptimierungs-Zeitgeist anschreibt, resümiert er.
Ein originelles Buch über die Liebe hat die Philosophin Miriam Metze laut Rezensentin Ann-Kristin Tlusty geschrieben. Metze beschäftigt sich ausgerechnet mit jener Form der Liebe, von der es im Allgemeinen heißt, dass man sie vermeiden soll: mit der unerfüllten. Um sich diesem Thema zu nähern, mit dem die Autorin auch persönliche Erfahrungen hat, geht sie zunächst die geläufigen Erkundungen zum Wesen der Liebe durch. Neben erwartbaren Namen von Hannah Arendt bis Niklas Luhmann kommen dabei auch weniger geläufige Positionen zu Wort, wie etwa die der Renaissance-Philosophin Tullia d'Aragona. Ausgehend von diesem Literaturüberblick verteidigt Metze die unerwiderte Liebe als eine Art Extremismus der Liebe - eben weil das Objekt der Liebe nicht verfügbar ist, beschäftigt sich der unerfüllt Liebende umso intensiver mit der eigenen Liebe, was deren fundamentale Unbegreiflichkeit offenlegt. Wie schlüssig das tatsächlich ist, möchte Tlusty nicht abschließend bewerten. Dass unerfüllt Liebende in diesem Buch etwas für sich entdecken können, glaubt die Rezensentin allerdings durchaus.
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