Was Geschichte ist, wurde lange von Männern aus dem Westen entschieden. Hier setzt Morgane Llanque an und eröffnet eine neue Perspektive auf die Geschichte der Welt. Denn was heute als "fremd" und "woke" gelabelt wird, war in Wirklichkeit schon immer da: Sie erzählt von römischen Kaisern, die sich die Beine rasierten, von muslimischen Gelehrten am Hof von Friedrich II., von Bündnissen zwischen weißen Südstaatlern und den Black Panthers und von Frauen in den Anden, die in der Steinzeit jagten. So entsteht in globaler Perspektive eine andere Geschichte von Macht, Sexualität, Hautfarbe, Glaube, Klasse und Gerechtigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2026
Morgane Llanque entwirft ein Panorama der Ausgeschlossenen, das Rezensentin Veronika Settele als politisch motivierten Gegenentwurf zu "pseudohistorischen Märchen" liest. Von der "Venus vom Hohle Fels" als Zeichen weiblicher Macht über "Neapolitanische Femminielli", die sich weder als Frau noch als Mann verstanden, zu sogenannten "Female Husbands" in Großbritannien, will das Buch zeigen, dass Vielfalt kein modernes Phänomen ist. Anschaulich und niedrigschwellig versammelt Llanque Episoden zu Frauen, queeren Menschen, rassifizierten Gruppen und Menschen mit Behinderung. Dabei fächert sie ein weites geschichtliches Panorama auf, dass in seiner "Sprunghaftigkeit" zuweilen etwas oberflächlich bleibt, moniert die Kritikerin. Kontextualisierung bleibt zu sehr auf der Strecke, wie zum Beispiel, wenn Llanque den Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld als Pionier für Homosexualität vorstellt, dafür seine Befürwortung von eugenisch motivierter Sterilisation auslässt. Auch ihr Pauschalangriff auf "die" Geschichtsschreibung wirkt ungenau, da die Forschung Vielfalt längst integriert hat. So bleibt eine "Fundgrube einzelner Episoden", schließt die Kritikerin, inspirierend vor allem für LeserInnen, die dem Anliegen ohnehin nahestehen.
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