Nico Stehr

Die Zerbrechlichkeit moderner Gesellschaften

Die Stagnation der Macht und die Chancen des Individuums
Cover: Die Zerbrechlichkeit moderner Gesellschaften
Velbrück Verlag, Weilerswist 2000
ISBN 9783934730182
Gebunden, 368 Seiten, 40,39 EUR

Klappentext

Gegenwärtig erleben wir den Umbau der traditionellen Industrie- in Wissensgesellschaften. Der gewaltige Bedeutungszuwachs, den Wissen, Wissenschaft und Technik dabei erfahren, muß jedoch nicht zur Bedrohung der individuellen Freiheit durch die Übermacht anonymer Kontroll-, Manipulations- und Repressionsapparate führen. Im Gegenteil: Wissensgesellschaften bieten dem einzelnen erweiterte Handlungsmöglichkeiten, während sie die Macht des Staates und der großen Kollektive eher lähmen. Gerade deshalb sind Wissensgesellschaften zerbrechlich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2000

Kapitalismuskritik - in den 80ern ein Refugium der (ganz) Linken - ist als Bestandteil gesellschaftlicher Zustandsbeschreibungen wieder dick da, wie unter anderem in Ludger Heidbrinks knapper und klarer Besprechung zweier soziologischer Entwürfe zu erfahren ist.
1) Zygmunt Bauman: "Die Krise der Politik"
Bauman liefert, so Heidbrink, eine "schwarze Suada über das Ende des Traums von der guten Gesellschaft". Der vom globalen Markt beherrschte und von der Politik vernachlässigte Mensch tritt die Flucht ins Private an. Heidbrink wundert sich, dass Bauman trotzdem Lösungen anbietet, nämlich "das republikanische Modell aktiver Staatsbürgerschaft, die Bereitstellung eines ? Grundeinkommens und die Stärkung autonomer Institutionen". Völlig unklar bleibe allerdings, wie das in der "Diktatur anonymer Mächte" wirksam werden könnte. Baumans Zeitdiagnose ist "widersprüchlich."
2) Nico Stehr: "Die Zerbrechlichkeit moderner Gesellschaften"
Da ist Nico Stehr viel genauer, urteilt Heidbrink. Bei ihm gibt es durchweg ein `sowohl? als auch`: Sowohl ein Abbau von Sicherheit, als auch neue Chancen der Einmischung, weil sich die Wissensgesellschaft unaufhaltsam verbreitet. Anders als Bauman macht Stehr "keine Verlustrechnung auf", sondern analysiert sorgfältig die "Widersprüchlichkeit der Verhältnisse". Am Ende favorisiert Heidbrink dann aber eine eigene Idee: Am ehesten könnte "situative Mikropolitik soziale Kursänderungen bewirken."

Beliebte Bücher

Caroline Wahl. 1999 Meter über dem Meer - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer
Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Heinz Strunk. Memories of Heidelberg - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Heinz Strunk: Memories of Heidelberg
Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub…
Tony Tulathimutte. Fiasko - Fiktionen . dtv, München, 2026.Tony Tulathimutte: Fiasko
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen…