Mit 34 größtenteils bisher unveröffentlichten Fotos von Ralph Quinke und Valerie Wilmer, sowie 93 CD-Coverabbildungen und einigen Notenbeispielen. Die Lebensstationen Miles Davis', die Anekdoten über ihn sind bekannt ? nicht zuletzt durch Davis' Autobiografie ? und so setzt dieses Buch aus der Feder des Jazzhistorikers Peter Niklas Wilson andere Akzente: Reflexionen über Themen wie "Miles, der Bandleader", "Miles und das Studio", "Miles, der Solist", aber auch "Miles und seine Maske" leuchten die Klangwelt des Miles Dewey Davis III und ihren Schöpfer auf neue Weise aus. Eine umfassende, kommentierte Diskografie erleichtert nicht nur die Orientierung im 46 Jahre umspannenden Schallplattenwerk des einflussreichsten Trompeters des neueren Jazz, sondern birgt auch eine Fülle musikalischer Detailbetrachtungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2001
Stephan Hentz weiß sehr wohl, dass über Miles Davis schon unzählige Publikationen existieren. Dennoch freut er sich über diese Neuerscheinung. Die Funktion dieses Buches werde schon im Vorwort durch den Autor selbst erklärt: nicht Biografie wolle es sein, sondern ein "handliches Miles-Davis-Brevier", und das sei Wilson durchaus gelungen, lobt Hentz. Hier finde man u.a. genaue Betrachtungen zu Davis' Ton- und Spielweise, Informationen über seine Methoden als Bandleader und über seinen Umgang mit der Studiotechnik, erläutert er. In seinem zweiten Hauptteil folge eine detailliert kommentierte Diskografie, die der Autor zum Anlass nimmt, einige der üblen Nachreden auf den Musiker sachlich zu überprüfen und schließlich zu widerlegen - was den Rezensenten besonders zu freuen scheint. So sei ein Buch entstanden, dass die Leistung des Musikers in allen Schaffensphasen überzeugend dokumentiere und durch die vielen schönen Photos von Valerie Wilmer und Ralph Quinke über den Gebrauchswert hinaus zu einem echten Lesevergnügen werde, verspricht Hentz.
Konrad Heidkamp fragt sich zunächst, ob es angesichts der zahlreichen Veröffentlichungen über Miles Davis überhaupt noch Neues zu diesem Musiker zu sagen gibt. Doch anscheinend ist dies Wilson durchaus gelungen: "er gibt dem Kenner das Aha! Und dem Laien das Oho!, Theorie und Erzählung", findet der Rezensent. Gefallen hat Heidkamp nicht nur an recht vielsagenden Anekdoten gefunden, sondern auch vor allem an Wilsons Schilderung von Davis' musikalischer Entwicklung. Bedauerlich findet der Rezensent lediglich, dass Wilson keinen Hehl daraus macht, welche Davis-Platten er selbst nicht besonders mag. Doch insgesamt bewertet Heidkamp dieses Buch als gelungene Mischung zwischen "Nachschlagewerk, Biografie und Analyse", kompetent geschrieben und leicht lesbar. Nicht unbedingt "literarisch glanzvolle Prosa", aber verlässlich, so das Fazit des Rezensenten.
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