Zeig mir wie Du wohnst, und ich sag Dir, wer Du bist : Noch nie war das Zuhause ein derart wichtiger Teil der Selbstinszenierung, und noch nie gab es so viele Ratgeber, die einem dabei hineinreden wollen. Wie wir wohnen ist alles andere als unsere Privatangelegenheit. Im Gegenteil: Nichts spiegelt die Lage des Landes und die Lebenslügen seiner Bewohner zuverlässiger als die Einrichtungen der Deutschen. Es sind die öffentlichsten Bühnen, die es gibt. Und was da aufgeführt wird, sind absurde Dramen und groteske Komödien. Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn man Peter Richter bei seiner Besichtigung des deutschen Wohnwahnsinns folgt. Denn den Kampf um seine Individualität kämpft jeder für sich, aber es stellen sich allen die gleichen Fragen: Kinderklinik oder ganzheitliche Geburtshütte? Miete oder Eigentum? Bis hin zu: Urne, Sarg oder Mausoleum? Die Wohnung als Weltanschauung:eine Besichtigung der deutschen Wohnwelten und Einrichtungsexzesse.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006
Begeisterung hat Peter Richters Einrichtungsfibel bei Rezensent Gerhard Matzig ausgelöst. Nicht nur weil sie seines Erachtens ein "ganzes Billy-Regal voller Wohnbücher" ersetzt. Er sieht in dem Werk auch ein wirkungsvolles Gegengift zum grassierenden, von sämtlichen Medien gepushten Wohnwahnsinn in Deutschland. Das Werk erinnert Matzig an einen vor hundert Jahren erschienen Aufsatz von Adolf Loos über einen Bewohner, der von seinem Architekten in den Irrsinn getrieben wird. Beiden Autoren bescheinigt er eine Neigung zu "abgrundtiefer Heiterkeit" und "komischer Melancholie". Richters intelligenten, kritischen und lustigen Beschreibungen von vorgeblich individuellen Einrichtungen und Wohnlösungen finden Matzigs ungeteilten Beifall. Deutlich wird für ihn auch, dass Wohnen heute längst keine Privatsache mehr ist, auch wenn ungezählte Style-Zeitschriften, TV-Formate, Feng-Shui-Experten und Immobilienmakler dies suggerieren.
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