Ob es Selbstmordkommandos sind oder mafiagleich organisierte Banden, ob Warlords, Befehlshaber von Söldnerheeren oder Aktivisten in fundamentalistischen Netzwerken - was unter Terroristen und Terrorismus verstanden werden muss, ist nur schwer auf einen Nenner zu bringen. Dennoch können wir auch heute die klassischen Grundfiguren von politischer Gewalt ausmachen. Peter Waldmann zeigt in seinem neuesten Buch, weshalb, wie und mit welchen Konsequenzen sich Terrorismus und Bürgerkrieg gegenwärtig abspielen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.10.2003
Rezensent Herfried Münkler zeigt sich sehr angetan von Peter Waldmanns "akribischen Analysen" zum Themenkomplex Terrorismus, Bürgerkrieg und staatlicher Zerfall. Die Auseinandersetzung mit Terrorismus und Bürgerkrieg, zwei Ursachen für staatlichen Zerfall, hält Münkler schon deshalb für einleuchtend, als beide mit politischen Willen verbunden sind. Waldmann könne zeigen, so Münkler, "wie schnell die diesen Willen leitenden Motive erodieren und ins Gegenteil umschlagen, sobald sie sich des Mittels der Gewalt bedienen." Er bescheinigt dem Soziologen einen "genauen Blick" für die "Grammatik der Gewalt", etwa wenn dieser die Entwicklung von Racheritualen am Rand der Wohlstandszonen untersucht. Dabei mache Waldmann die Ursachen für Terrorismus und Bürgerkrieg nicht allein in den Prozessen der Globalisierung, sondern auch in Formen der Ritualisierung und Sakralisierung von Gewalt ausfindig. Münkler hebt zudem die Bedeutung hervor, die Waldmann der politisch-instrumentellen Rationalität zumisst - auch bei religiös inspirierten Terrorgruppen. Gegenüber Theorien, die größere Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Formen des Terrors sehen, zeige sich Waldmann skeptisch. Fraglich erscheint Münkler hier, ob Waldmanns Grundmodell des klassischen Terrorismus auch auf den Terror von al-Qaida angewandt werden kann. Obwohl er in diesem Punkt nicht ganz mit Waldmann einverstanden ist, hält er lobend fest, dass dessen Terrorismusbuch "zum Besten" gehört, "was man diesbezüglich in Deutschland lesen kann."
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