Penguin Verlag, München 2026
ISBN
9783328600732 Gebunden, 416 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen Sohn auf, wird geschieden. Nach einem Nierenversagen muss sie mit sechzig den Schuldienst verlassen und beginnt in einem Literaturarchiv zu arbeiten. Es ist ein unauffälliges Leben mit der einzigen Besonderheit, dass es von Büchern begleitet wird: Von den Sechzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts bis zur Gegenwart bleibt Nora eine leidenschaftliche Leserin. Regelmäßig gleicht sie ihre Erfahrungen und auch die Erschütterungen der Gegenwart bis hin zum Ukraine-Krieg mit ihrem durch Literatur gewonnen Wissen ab und trifft mal mehr, mal weniger glückliche Entscheidungen. Wie gut lässt sich Bildung vermitteln? Was bringt sie letztlich - Freuden, Erkenntnis, Ernüchterung? Besteht sie im Alltag, obwohl das Leben so viele Pläne blamiert? Wie weit hilft Kultur im Umgang mit menschlichen Abgründen? Oder wäre sonst alles viel schlimmer?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.06.2026
Rezensentin Judith von Sternburg findet, dass Petra Morsbach Figuren und Szenerien erschafft, die der Wirklichkeit an Originalität und Lebendigkeit keinesfalls unterlegen sind. Der neue Roman der Autorin erzählt die Lebensgeschichte einer passionierten Leserin und Lehrerin von den späten 1950ern bis heute. In Sachen Dialogen und Milieuschilderung ist Morsbach eine Meisterin, versichert Sternburg, die Morsbach auch Menschenliebe attestiert. Bitteres und Komödiantisches zeichnen den Roman aus, ohne dass der Text sich auf das eine oder andere festlegen ließe, so Sternburg. Eines lehrt die Lektüre Sternburg bestimmt: Das Leben einer Leserin ist alles andere als papieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2026
Für den Rezensenten Hannes Hintermeier geht Petra Morsbachs neuer Roman über eine Pflichtlektüre für Deutschlehrer hinaus. Ihm scheint gut zu gefallen, wie die Autorin, die bald siebzig Jahre alt wird, hier wieder ein neues Milieu, das der "Büchermenschenwelt", beschreitet und dabei auch Autobiografisches einflicht: es geht um die literaturfixierte Nora Meyer, zunächst im Münchner Literaturarchiv tätig, dann passionierte Deutsch- und Geschichtslehrerin, und schließlich, weniger passioniert, auch Ehefrau und Mutter, fasst Hintermeier zusammen. Wie Morsbach dabei von der Urfaszination für das Literarisch-Künstlerische durch die Großmutter erzählt, von den unangenehmen Seiten des Lehrerberufs (inkl. übergriffiger Kollegen), von der Einschränkung der Karriere durch eine Nierenkrankheit oder von den frauenfeindlichen Anmaßungen des eigenen Sohnes, imponiert dem Kritiker. Auch weiß er die Bezüge zu Morsbachs Leben und Werk zu schätzen, wie etwa ihre Beziehung zur Münchner Monacensia. Aber auch ohne diese Hintergründe ein sogreicher Roman mit vielen "Nebenflüssen", der wieder einmal von der großen Beobachtungsgabe der Autorin zeugt, lobt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.05.2026
Rezensent Paul Jandl verirrt sich nicht im Labyrinth dieser von Petra Morsbach kunstvoll vertrackt inszenierten Lebensgeschichte einer Lehrerin. Stattdessen schwelgt er in Morsbachs Kunst, Milieus und ihre Sprache zu zeichnen und zwar von innen. Die Geschichte der Protagonistin beginnt mit der vorlesenden Großmutter, erzählt von der Kraft der Literatur und führt dem Leser schließlich das Werden einer Schriftstellerin vor, erklärt Jandl staunend, wie Morsbach Lese- und Lebensbiografie verschränkt. Als satirischen Lehrerroman möchte er das Buch nicht abstempeln, auch wenn es humorvoll ist, dafür beschreibt Morsbach das Milieu allzu schillernd, die stillen wie die lauten Pädagogen, so Jandl.
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