Aus dem Neugriechischen von Michaela Prinzinger. Kommissar Charitos wäre am liebsten wie alle Athener draußen auf der Straße, um den EM-Titel zu feiern. Aber er hat anderweitig zu tun. Es brennt an allen Ecken und Enden. Und selbst ein Kommissar wie Charitos kann nicht überall nach dem Rechten sehen. Die meisten Figuren dieser neun Geschichten müssen dies selbst tun - auf ihre Art. Sie kommen vom Balkan und sind auf der Suche nach einem besseren Leben: nach Arbeit, Geld, ein bißchen Glück. Kaum einer jedoch wagt von einer neuen Heimat zu träumen. Auch nicht das Mädchen, das tagtäglich morgens im Park ausgesetzt wird, um abends wieder abgeholt zu werden. Und doch gelingt ihr, was den meisten Erwachsenen vorenthalten bleibt: Sie knüpft Kontakt zu einem Griechen. Einem fremdenfeindlichen Alten, in dem aber trotz aller Verbitterung etwas wach geblieben ist: die Neugier. Ungewollt ebnet er damit dem Kind den Weg zur Integration. Doch heißt das noch lange nicht, daß alles gut wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005
Christoph Haas ist von diesen Geschichten des griechischen Autors Petros Markaris, die sich um "legale und illegale Migranten" drehen und um die "unauflösliche Verkettung" von Armut und Gewalt, sehr angetan. Trotz des ernsten Sujets handelt es sich bei "Balkan Blues" keineswegs um ein "trauriges Buch", vielmehr gehe es dem Autor um die "tragikomischen Aspekte des Elends", versichert der Rezensent, und fügt an, dass Markaris der drohenden Gefühligkeit "entschieden" aus dem Weg geht. So erzählt er in "Ein Kindermärchen" beispielsweise von einem kleinen afrikanischen Mädchen, dass sich durch das Gebrabbel eines alten Mannes im Park an die Alten seiner Heimat erinnert fühlt. Statt in den nahe liegenden Kitsch abzugleiten, nehme die Geschichte dann aber eine überraschende Wendung. Der Rezensent bewundert die "Sicherheit", mit der der Autor seine "erzählerischen Experimente" unternimmt, wie etwas die gelungene Kontrastierung von der "hitzigen" und tödlich endenden Auseinandersetzung eines Kellners und eines Kochs mit dem anschließend verfertigten Polizeibericht. Markaris verwische unerschrocken die Grenzen zwischen "seriöser" und Unterhaltungsliteratur und erzähle "mit einer Leichtigkeit", die den begeisterten Rezensenten "verblüfft" zurücklässt.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen…