Konservative Landbewohner mögen Hunde, moderne Städter lieber Katzen. Wutbürger sind eigentlich Ekelbürger. Angst macht nicht fremdenfeindlich. Politische Korrektheit ist ein Erkennungszeichen für Gruppenzugehörigkeit. Menschen leben dort streng religiös, wo es viele Parasiten gibt. Erkenntnisse wie diese präsentiert Philipp Hübl aus weltweiten wissenschaftlichen Untersuchungen. Seine Erklärung lautet: Emotionen prägen unsere moralische Identität und damit unsere politischen Präferenzen. Zwischen Traditionalisten und Kosmopoliten verstärkt sich die Polarisierung, wir leben in einer immer aufgeregteren Gesellschaft. Dabei geht es um die Frage, welche Werte ein gutes Leben ausmachen. Die Bruchlinien verlaufen zwischen Alt und Jung, Land und Stadt, Auto und Fahrrad, Tatort und Netflix, Vergangenheit und Zukunft. Wir sind der Aufregung aber nicht hilflos ausgeliefert, sondern in der Lage, selbst zu entscheiden, nach welchen Werten wir leben wollen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2019
Manuela Lenzen muss sich während der Lektüre des neuen Buches des Philosophen Philipp Hübl zunächst fragen, ob sie lieber neben einem Ladendieb oder einem Sodomisten wohnen würde oder ob sie zwecks Rettung von fünf Menschen einen dicken Mann vor den Zug werfen würde. Anhand solcher Studien nämlich zeigt ihr Hübl die Implikationen der Moralpsychologie auf, um im weiteren Verlauf zu erläutern, dass sich unsere Moral nicht aus Prinzipien, sondern aus Emotionen wie Angst, Ekel oder Schuld entwickle. Das liest die Kritikerin durchaus mit Interesse, ebenso, wie sie den von Hübl vorgestellten Theorien folgt - etwa der "Parasitentheorie", derzufolge Menschen in Gebieten mit hoher Parasitenbelastung eher zu Kollektivismus und Fremdenfeindlichkeit neigen, wie Lenzen erfährt. Wenn ihr der Autor anhand der dargestellten Studien und Theorien gegenwärtige rechtspopulistische und nationalistische Strömungen erklären will, wird es der Rezensentin allerdings zu "schematisch". Dass der Mensch nicht immer rational agiert und moralisches Handeln stets reflektiert werden sollte, kann ihr Hübl indes vermitteln.
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