Aus dem Englischen von Barbara Heller. Als die junge Londoner Krankengymnastin Alice auf einer Party Joseph begegnet, knistert es zwischen den beiden. Aber ob sie sich wieder sehen, überlassen sie dem Zufall. Ein paar Wochen später werden sie ein Liebespaar. Wärme und Nähe bestimmen ihre Beziehung. Alles scheint unkompliziert. Alice teilt ihre freie Zeit zwischen Joseph und ihrem vor wenigen Monaten verwitweten Großvater David, bei dem sie aufgewachsen ist. Bald nimmt sie Joseph mit zu David. Dort stoßen sie auf Erinnerungsstücke aus der Zeit, als Alices Großvater in Kenia als Pilot stationiert war. Seine Schilderungen wecken bei Joseph verdrängte Bilder. Alice spürt zunächst unverständliche, dann bedrohliche Veränderungen. Joseph wird immer unzugänglicher und verschwindet eines Tages. Tief getroffen forscht sie bei Josephs Freunden nach und erfährt von traumatischen Erlebnissen während seiner Soldatenzeit in Nordirland. Als Joseph wieder auftaucht, versuchen sie zur Normalität ihrer Beziehung zurückzufinden. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2007
Renate Wiggershaus preist beeindruckt den Roman der englischen Autorin Rachel Seiffert, die darin die Beziehung zwischen der Krankengymnastin Alice und dem Gipser Joseph schildert, die an Josephs unverarbeiteten Erlebnissen während seiner Soldatenzeit in Nordirland scheitert. Die Rezensentin bewundert das kunstvolle Changieren der Autorin zwischen Einfühlsamkeit und Distanz gegenüber ihren Figuren und sie preist ihre Fähigkeit, die Atmosphäre und Komplexität menschlicher Kommunikation in Dialogen und Szenen aufscheinen zu lassen, als meisterhaft. Als Glanzpunkt streicht sie dafür eine Szene zwischen Joseph und seinem ehemaligen militärischen Vorgesetzten heraus. Bewunderung lässt die Rezensentin auch angesichts der Übersetzung durch Barbara Heller durchblicken. Der Roman stellt einen überzeugenden, dabei ganz "unaufdringlichen" Nachweis dar, dass der Mensch einer wo auch immer ausgeübten Kriegsführung psychisch nicht gewachsen ist, so Wiggershaus sehr eingenommen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 22.03.2007
Beobachtungsschärfe und Prägnanz in der Szenenkonstruktion. Das sind die Premiumattribute, die diesen Roman über Liebe, Eroberung und Krieg für Nina Apin auszeichnen. Der mikroskopische Blick Rachel Seifferts zeigt eine zwischenmenschliche Annäherung so präzise, dass die Rezensentin erschreckt. Sie sucht, aber findet keinen Halt, weil die Autorin mit wechselnder Perspektive und einem "fast klinisch distanzierten Ton" erzählt. Ganz ohne Mitgefühl mit den Figuren, erklärt Apin, kommt der Roman allerdings nicht aus. Sicher wäre die Kritik sonst härter ausgefallen.
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