Odysseus
Mythos und Wahrheit

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2026
ISBN
9783608989236
Gebunden, 320 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Die Abenteuer des Odysseus faszinieren die Menschen seit der Antike. Der Held erscheint als listiger Überlebenskünstler, politischer Stratege und Vertreter einer Gesellschaft, die sich neu erfindet - zwischen Seefahrt und dem Streben nach Reichtum. Dieses elegant geschriebene Buch bietet einen historisch fundierten Zugang zur Odyssee - jenseits moderner Mythen und Idealisierungen - und zeigt, dass Odysseus mehr mit uns zu tun hat, als wir glauben wollen.Jeder kennt ihn, doch niemand weiß, wer er wirklich war: Odysseus, der König von Ithaka, der auszog, Troja zu erobern; der auf der Rückfahrt bis ans Ende der Welt verschlagen wird, um nach 20 Jahren Frau und Heimat zurückzugewinnen. Der berühmteste Held der homerischen Epen ist aber auch Repräsentant einer Schlüsselepoche der Antike, die unsere Kultur bis heute prägt. Raimund Schulz zeigt am Leben des Odysseus das ungeschminkte Antlitz einer Zeit voller Not, Unsicherheit und Ängste, eine Welt der politischen Kämpfe und der Abenteuer, in der starke Frauen dem Helden den Weg weisen. Die Entzauberung eines Helden lässt ein Weltepos in neuem Licht erscheinen: Es ist Spiegel einer Gesellschaft, die alle menschlichen Abgründe kennt, die Raub und Mord zum Überlebensmotto macht, in der Triumph und tiefer Fall ganz nahe beieinander liegen, die aber auch um den Wert des Menschen weiß, der sich wie Odysseus immer wieder aufrichtet und gegen alle Widrigkeiten überlebt.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.07.2026
Rezensent Michael Hesse freut sich über dieses reichhaltige Buch über Odysseus. Der Historiker Raimund Schulz beschreibt den griechischen Sagenhelden, von dem nicht klar ist, ob er historisch tatsächlich existiert hat, als einen Spiegel seiner Zeit. Gemeint ist damit die vermutliche Entstehungszeit der Odysseus-Sage im 8. bis 7. Jahrhundert vor Christus, die geprägt ist von eher informellen staatlichen Strukturen. Schulz verfolgt Odysseus durch die verschiedenen Abenteuer, die er erlebt und beschreibt ihn als eine ambivalente Figur zwischen "Mythos, Literatur und Geschichte". Odysseus war in Schulz' Darstellung einerseits ein ruchloser "Beutemacher", der seine eigenen Männer in Gefahr brachte und sich von Ruhm und Macht leiten lässt, andererseits auch ein kluger Stratege, wie beispielsweise sein Kampf mit dem Kyklop Polyphem zeigt. Der Darstellung des antiken Helden haftet hier in seiner Ambiguität auch etwas "zutiefst Menschliches" an, bemerkt der Kritiker. Hesse ist begeistert und empfiehlt: lieber dieses Buch lesen, als wenig aufschlussreiche Odysseus-Filme anschauen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 18.07.2026
Rezensent Michael Köhler bespricht Raimund Schulz' Buch über Odysseus im Rahmen eines längeren Features mit viel Schulz-O-Ton eher nebenbei. Schulz interessiert sich in dieser Veröffentlichung als Althistoriker vor allem dafür, die Realgeschichte hinter dem Odysseus offen zu legen, erklärt der Kritiker. Philosophische Annäherungen an den Mythos interessieren ihn hingegen nicht. Frauen und weibliche Fantasiewesen in der "Odyssee" spielen eine wichtige Rolle in Schulz' Buch, wobei Köhler den Eindruck hat, dass der Autor manchmal etwas zu viel "Gefallen an den literarisch-erotischen Eindeutigkeiten" findet und Odysseus zum Frauenversteher stilisiert. Gut lesbar, stellt der Rezensent klar, ist dieses Buch, dass die Odyssee als ein Werk über eine Welt im Umbruch beschreibt, in jedem Fall. Für wie gehaltvoll Köhler Schulzes Ausführungen tatsächlich hält, ist der Besprechung eher nicht zu entnehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2026
Rezensentin Melanie Möller begibt sich gern gemeinsam mit Raimund Schulz auf eine Reise entlang der Stationen der Homer'schen "Odyssee". Der Althistoriker Schulz stellt in seinem Buch den Helden dieser Reise, Odysseus, ins Zentrum und fragt sich, in durchaus sozialkritischer Absicht, was uns diese Figur heutzutage noch zu sagen hat. Strukturiert ist sein Buch entlang von dreizehn Themen, darunter Gewalt und Schönheit oder auch Abenteuer und Gefahr. Der Historiker interessiert sich für die politischen und ökonomischen Dimensionen der Welt, in der Homers Erzählwerk spielt, wobei er gleichzeitig weiß, dass es kaum möglich sein dürfte, den Weg des Odysseus geografisch eindeutig zu verorten. Odysseus' soziale Stellung in der antiken Welt wird ebenso thematisiert wie seine Funktion als gebrochener Held - eben Letzteres macht ihn laut Schulz für die Gegenwart interessant. Möller ist nicht mit allen Passagen einverstanden, zum Beispiel hinsichtlich der Rolle der Frauen in der "Odyssee", die sich an derzeit angesagten soziologischen Klischees orientieren und Odysseus zum "Frauenversteher" erklären. Gleichwohl scheint die Rezensentin von Schulz' Versuch, den antiken Helden "als soziales Wesen" zu begreifen, größtenteils überzeugt zu sein.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2026
Thomas Ribi lässt sich vom Althistoriker Raimund Schulz erklären, warum Odysseus eine historische Gestalt sein könnte. Dabei bekommt er Lust, die "Odyssee" erneut zu lesen. Derart macht ihm Schulz den Mund wässrig mit seinen Ausführungen zu Odysseus als Prototyp seiner Zeit. Schulz berichtet "anschaulich" von veränderten Machtverhältnissen und einem Aufschwung der Seefahrt in Griechenland zur Entstehungszeit der "Odyssee". Dieser "Boom" spiegelt sich als Abenteuerlust und koloniales mindset in Homers Epos, erkennt Ribi mit Schulz. Dass Schulz den Mann aus Ithaka als "Schlitzohr" zeichnet, macht ihn direkt anschlussfähig an unsere Zeit, findet Ribi.