Richard Münch

Offene Räume

Soziale Integration diesseits und jenseits des Nationalstaats
Cover: Offene Räume
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518291153
Taschenbuch, 319 Seiten, 12,73 EUR

Klappentext

Die Öffnung der Märkte im Prozeß der Globalisierung führt zu einem grundlegenden Strukturwandel von Solidarität und Gerechtigkeit. Die Studien dieses Bandes arbeiten diesen Wandel mit seinen unterschiedlichen Facetten heraus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.06.2001

Heiner Dürr rezensiert in eine Mehrfachbesprechung drei Bücher, die auf räumliche Differenzierungen in einer zunehmend globalisierten Gesellschaft ganz unterschiedliche Sichtweisen bieten. Bei allen drei Darstellungen vermisst er allerdings ein näheres Eingehen auf die aktuelle Debatte "über Territorialität", bei der Orten und Räumen auch eine identitätsstiftende Rolle zugewiesen wird. Dürr weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass trotz medialer Vernetzung beispielsweise der Begriff Heimat und "territoriale Verankerung" für viele Menschen von großer Bedeutung sind - nicht nur im Kosovo. Gemeinsam sei den Büchern, dass hier die Ansicht geäußert wird, Wirtschaftswissenschaftler allein könnten die Komplexität von Globalisierung nicht erfassen und dass eine interdisziplinäre Betrachtung erforderlich sei. Obwohl Dürr an allen drei Büchern die "spröde Begrifflichkeit" bemängelt, so sieht er in allen einen lobenswerten Schritt zu einer solchen Betrachtung.
1.) Helmut Willke: "Atopia, Studien zur atopischen Gesellschaft" (Suhrkamp)
Nach Dürr hat sich der Autor weitgehend von der Bedeutung von "Orten und Räumen" distanziert und fordert nun von der Wissenschaft, sich nicht mehr mit regionalen Gesellschaften zu befassen, sondern das Augenmerk auf die "Weltgesellschaft" zu richten. Der Ort ist seiner Meinung nach inzwischen irrelevant geworden. Dürr bewertet diese Sichtweise nicht, doch merkt er an, dass es sich um eine "sprachlich brillante, stellenweise etwas selbstverliebte Darstellung" handelt.
2.) Richard Münch: "Offene Räume" (Suhrkamp)
Münch hat hier, so der Rezensent, "gründliche Überlegungen zur Gleichzeitigkeit von Globalisierung, Europäisierung und nationalstaatlichen Ordnungen" vorgelegt. Dabei habe sich der Autor vor allem dem Problem gewidmet, dass Globalisierung zwar Wirtschaftswachstum ermöglicht, andere Schwierigkeiten dadurch aber erst entstehen: etwa eine Gefährdung "sozialer Gleichverteilung" oder auch eine Zurückdrängung der Macht des Staates. Ein dezidiertes Urteil zu diesen Thesen gibt der Rezensent allerdings nicht ab.
3.) Rudolf Stichweh: "Die Weltgesellschaft" (Suhrkamp)
Nach Dürr handelt es sich bei diesem Buch um eine Artikelsammlung, wobei er einen der Texte gesondert hervorhebt: "Zur Genese der Weltgesellschaft". Hier zeigt sich, so der Rezensent, dass der Autor - anders als Helmut Willke - die Lokalität keineswegs vernachlässigen möchte, sondern vielmehr der Frage nachgeht, inwiefern sich Globalität und Lokalität entwickeln und "aufeinander bezogen ablaufen". Stichweh vertrete in diesem "theoretisch sehr grundlegenden Artikel" die Ansicht, dass nur auf diese Weise die Globalisierung in ihrer Komplexität verstanden werden könne.

Beliebte Bücher

Tony Tulathimutte. Fiasko - Fiktionen . dtv, München, 2026.Tony Tulathimutte: Fiasko
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Heinz Strunk. Memories of Heidelberg - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Heinz Strunk: Memories of Heidelberg
Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub…
Miriam Carbe. Unerwünschte Töchter - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter
Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…