Der Hass, dieses knirschende, zersetzende Gefühl, ist allgegenwärtig. Er brüllt von den Straßen oder flüstert in gutbürgerlicher Feindseligkeit. Er wächst in Parlamentsreden, Querköpfen und Kinderzimmern - und ganz bestimmt nicht im Verborgenen, auch wenn viele ihn gerne dorthin verdammen würden.Şeyda Kurt holt den Hass raus aus der Verbannung und begibt sich auf die Spuren seines widerständigen Potentials. Dabei interessieren sie vor allem die Menschen als Subjekte des Hasses in einer kapitalistischen, rassistischen und patriarchalen Welt. Wer sind sie, diese Hassenden, und aus welchen Machtverhältnissen kommen sie? Wer darf überhaupt hassen und wer nicht? Welche Gefühle lähmen, welche Gefühle helfen, nicht zu erstarren, und sich immer und immer weiter zu bewegen auf dem Weg in eine gerechtere und zärtliche Gesellschaft?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2023
Rezensentin Helena Schäfer kann Seyda Kurts Abhandlung über den Hass nicht ernstnehmen. Wenn die Autorin mit ihrem Versuch, Hass als produktive Kraft zu beschreiben, an ihr Buch über die Zärtlichkeit anschließt, ahnt Schäfer, dass hier eine gesellschaftliche Utopie entworfen werden soll, die ohne den westlichen Rechtsstaat auskommt. Und das soll ein Sachbuch sein? fragt die Rezensentin skeptisch. Als Ideengeschichte über den Hass taugt ihr der Band daher nur ansatzweise. Auch Kurts Idee, Hass als eine freie Entscheidung zu betrachten, sieht Schäfer kritisch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2023
Seyda Kurts Auseinandersetzungen mit starken Gefühlen kennt Kritikerin Aurelie von Blazekovic schon aus deren Buch zur Zärtlichkeit, jetzt widmet sie sich dem so gegenteilig wirkenden Hass. Doch, so lernt Blazekovic, ist Hass letztlich auch ein Ausdruck davon, noch Hoffnung zu haben, noch nicht aufzugeben und in dieser Ausrichtung eminent politisch, wie Kurt sowohl mit persönlichen Einblicken als auch gesamtgesellschaftlichen wie philosophisch orientierten Passagen zu zeigen vermag. Einige der politisch linken Punkte der Autorin kann die Rezensentin nicht ganz teilen, aber die transformative Kraft des Hasses hat "eine der interessantesten jungen Autorinnen" deutscher Sprache ihr eindrucksvoll und poetisch vermittelt.
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