Ein "Drückeberger" als Held: Ginster ist 25, als der Erste Weltkrieg ausbricht, ein begabter Frankfurter Architekt. Der patriotischen Begeisterung seiner Zeitgenossen steht er skeptisch gegenüber, und so verwendet er einige Mühe darauf, sich immer wieder vom Kriegsdienst zurückstellen zu lassen das Vaterland braucht seine Architekten schließlich nicht an der Front, sondern zu Hause, wo etwa Granatfabriken und Ehrenfriedhöfe für die gefallenen Soldaten zu planen sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.04.2013
Ausführlich widmet sich Rezensent Christian Thomas Siegfried Kracauers Roman "Ginster" von 1928, dem die Stadt Frankfurt gerade ein ganzes Festival gewidmet hat. Angesichts dessen hätte sich Thomas einen etwas ausführlicheren Apparat für die Neuauflage gewünscht. Aber gut. Das Buch spielt in den Jahren des Ersten Weltkriegs, berichtet Thomas, der Erzähler und Protagonist Ginster reagiert auf den Krieg mit einer allgemeinen Existenzdienstverweigerung, flaniert nur noch herum, vor allem durch Frankfurt, und sucht treffende Metaphern für das gewalttätige Treiben um ihn herum. "Ginster" ist auch ein Antikriegsbuch, wenn auch ein eigenwilliges. Autor und Figur teilen sich die pazifistische Haltung sowie die Gaben der genauen Beobachtung und der brutalen Metapher. "Ginster", so heißt der Erzähler aufgrund seiner "Tendenz zu verrieseln", ein wenig haben sie auch das gemeinsam, erklärt der Rezensent.
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…