Siggi Jepsen, Insasse einer Anstalt für schwererziehbare Jugendliche, soll im Deutschunterricht einen Aufsatz über "Die Freuden der Pflicht" schreiben und gibt ein leeres Heft ab. Nicht, dass ihm nichts dazu einfiele - das Thema ist ihm vertraut: Sein Vater, der nördlichste Polizeiposten Deutschlands, war den Pflichten seines Amtes so rückhaltlos ergeben, dass er nicht zögerte, seinem Jugendfreund, dem international bekannten Maler Nansen, das von den Nazis über ihn verhängte Malverbot eigenhändig zu überbringen und dessen Einhaltung persönlich zu überwachen. Siggi, zu dieser Zeit noch ein Kind, wird Zeuge eines stillen, aber erbitterten Kampfes, und in der Erinnerung wird sein Deutschaufsatz zum Lebensbericht, zum Versuch, sich selbst zu begreifen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.08.2018
Thomas Steinfeld empfiehlt die Wiederlektüre des Romans von Siegfried Lenz. Dass die Kritiker seinerzeit und die Lehrerschaften mehrerer Generationen den Text auf fragwürdige Weise gedeutet haben, kann Steinfeld nur vermuten, aber den vor 50 Jahren erstmals erschienenen Roman heute mit "offenen Augen und Verstand" zu lesen, kann seiner Meinung nach nicht schaden. Die Geschichte von Siggi Jepsen hoch im Norden liest Steinfeld mit besonderer Beachtung der Landschaftsbeschreibungen, nicht einer vermeintlichen Moral und "literaturpädagogischen Aufbereitung".
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