Mit dem Rezensionsautomaten CENSEO, der im Literaturseminar der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe unter der Leitung von Stephan Krass entwickelt wurde, steht erstmals ein Modus der Literaturkritik zur Verfügung, der allein auf dem Verfahren automatisierter Texterzeugung beruht. Folgt man den Instruktionen des Bord-Monitors dieser physisch präsenten und begehbaren Installation, erhält man zunächst eine Rezension und dann das zugehörige Gedicht. Die Umstellung der Literaturkritik auf ein generatives Verfahren ist Anlass genug, das Rezensionswesen in Geschichte und Gegenwart anhand einiger signifikanter Fälle etwas genauer zu betrachten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2012
Tomasz Kurianowicz sieht die "kleine Betriebsanleitung", die Stephan Krass zu dem von ihm an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe betreuten Projekt eines Rezensionsautomaten verfasst hat, auch als Ausdruck einer "Enttäuschung". Indem der "Censeo" genannte Automat nämlich mittels eines textautomatischen Verfahrens eine Kritik schon vor dem Primärtext ausspuckt, wird nicht zuletzt über das eingefahrene Rezeptionsverhalten des Publikums reflektiert, erfahren wir. Das ist aber in den Augen des Rezensenten vielleicht etwas zu schwarzgesehen, weil er doch zu erkennen meint, dass die Literatur trotz des konstatierten "Tod des Kritikers" nicht sterben wird.
Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…