Wie Shakespeares größter Rivale Christopher Marlowe die Konventionen sprengte und die Literatur revolutionierte
Siedler Verlag, München 2026
ISBN
9783827501707 Gebunden, 416 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Susanne Held. Das England des 16. Jahrhunderts war eine brutale Welt, geprägt von politischen Intrigen, religiösen Kämpfen und grassierenden Seuchen. Und dennoch wurde das elisabethanische Zeitalter zu einer überragenden Blütezeit der englischen Literatur. Ihr Wegbereiter war Christopher Marlowe: Im gleichen Jahr wie William Shakespeare wurde er als Sohn eines Schusters geboren. Allen Widrigkeiten zum Trotz erkämpfte er sich ein Stipendium in Cambridge, ließ sich in den Spionagedienst der Königin verwickeln und schuf einige der spektakulärsten Meisterwerke der englischen Literatur, bevor er im Alter von nur 29 Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben kam.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.07.2026
Rezensentin Christine Brinck freut sich, dass Stephen Greenblatt mit sich mit Christopher Marlowe nun auch dem großen Konkurrenten Shakespeares widmet. Und trotz dünner Quellenlage hat der amerikanische Literaturwissenschaftler einem Detektiv gleich allerhand zusammengetragen, was die Kritikerin gebannt liest: Aus einfachen Verhältnissen stammend, gelang Marlowe eine außergewöhnliche Bildungskarriere, die ihn allerdings auch die Welt der Spionage führte. Interessiert folgt die Rezensentin auch Greenblatts Überlegung, dass Marlowes bekanntestes Werk, der "Dr. Faust" durchaus autobiografische Züge aufweisen könnte. Nicht zuletzt lobt die Kritikerin Greenblatts Vermögen, die Leser anschaulich ins düstere London der Renaissance eintauchen zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.06.2026
Rezensentin Katharina Döbler genießt die Zeitreise ins Elisabethanische Zeitalter, auf die Stephen Greenblatt sie in seinem Buch mitnimmt. Zentrum der Betrachtung ist dabei Christopher Marlowe, der aufmüpfige Theaterschriftsteller, der nicht nur für Shakespeare prägend war, sondern für das gesamte englische Theater der Renaissance und auch das der deutschen Klassik, erklärt Döbler. Wie sich die Faszination des Literaturwissenschaftlers und Renaissance-Experten für diese "rätselhafte Figur", die auch in Spionagegeschichten verwickelt war, auf die Leserschaft überträgt, findet die Kritikerin toll; Greenblatt gelinge auf spärlicher Quellenbasis ein zwar gezwungenermaßen leicht unscharfes, aber sehr lebendiges Bild des Dramatikers vor einem "perfekt ausgeleuchteten Hintergrund", inklusive "schillernder Bösewichte" wie Sir Walter Raleigh oder Sir Francis Walsingham, staunt sie. Ein nie literaturwissenschaftlich-trockenes, sondern wie aus den "dreckigen, stinkigen Gassen" der damaligen Zeit verpasstes Buch, schließt sie begeistert.
So ein bisschen steht Christopher Marlowe immer im Schatten seines Generationsgenossen William Shakespeare, seufzt Rezensent Eckart Goebel, glücklicherweise hat sich nun der Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt der Aufgabe angenommen, uns den kompromisslosen und früh verstorbenen Dichter nahezubringen. Für Goebel ist das Buch, das die Schattenseiten der Renaissance ausleuchtet, so spannend und mitreißend geschrieben, dass er sich eine baldige Verfilmung wünscht. Pest, Religion und wüste Ärztefehler reihen sich ein zwischen historischer und literarischer Betrachtung, so staunt der Kritiker. Marlow hat nicht nur den Blankvers erfunden, er war in Agentendeals verwickelt, ist früh gestorben und hat sich auf mehr als eine ganze eigene Weise mit Dämonen auseinandergesetzt, wie Goebel betont. Ein großes Buch über einen großen Dramatiker, hält er abschließend fest.
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