Am Thema der "Intelligenz" entzündeten sich seit dem späten 19. Jahrhundert immer wieder weitreichende und kontroverse öffentliche Debatten um Praktiken, Regeln und Lehren der Unterscheidung. Susanne Schregel gibt erstmals eine Geschichte dieser breitenwirksamen Auseinandersetzungen um die Intelligenz von Menschen, Tieren und Maschinen in Großbritannien und Deutschland (1880-1990). Dabei zeigt sie, dass es in den oft leidenschaftlich geführten Disputen nicht nur um Intelligenz allein, sondern auch viel grundsätzlicher darum ging, wie eigentlich Differenz, (Un)Gleichheiten und prinzipielle Andersartigkeiten zu verstehen und zu attribuieren seien. Historiografisch rückt auf diese Weise die Veränderlichkeit und Konflikthaftigkeit des Sozialen selbst in den Mittelpunkt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2026
Doof findet Rezensent David Kuchenbuch dieses Buch über Intelligenz keineswegs. Geschrieben hat es die Historikerin Susanne Schregel, die die Entwicklung des Intelligenzbegriffs vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart verfolgt. Diese "Geschichte des Unterscheidens" setzt mit der Durchsetzung der Evolutionstheorie ein, fortan wird allerorts nach Unterschieden in kognitiven Fähigkeiten gefragt, bezüglich Ethnien, Altersgruppen, Spezies und anderen Differenzkriterien. Schregel geht auf viele Details dieser vielschichtigen Entwicklung ein, bestimmte Messverfahren wie der Binet-Simon-Test werden thematisiert, ebenso wie die ambivalente Rolle der Intelligenzforschung in der NS-Zeit - sie war als jüdisch verschrien, kam aber dennoch zur Anwendung, wenn Kranke aus der Gesellschaft ausgesondert werden sollten. Ziemlich abstrakt schildert Schregel all das und einiges mehr laut Kuchenbuch, allzu systematisch nähert sie sich freilich ihrem Thema nicht, Intelligenz wird hier vor allem als diskursives Phänomen untersucht. Interessant ist das Buch trotzdem, findet der Rezensent, dem vor allem, auch mit Blick auf KI-Debatten, die Schlusspointe einleuchtet: Schregel plädiert dafür, ausgehend vom Intelligenzbegriff zu untersuchen, wie verschiedene Gesellschaftsformationen die Grenzen des Sozialen fassen.
Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr…