Wissenschaftliches Schreiben findet nicht in den luftigen Räumen der Konzepte und Theorien statt, sondern buchstäblich unter Druck, zwischen administrativen Vorgaben, Aktualitätsbemühen und unausgesprochenen Spielregeln unter Kollegen - und heute, am Beginn des 21. Jahrhunderts, in einer digital verflüssigten Publikationslandschaft mit unklaren Haltbarkeitsdaten. Um wissenschaftliches Schreiben in der Wirklichkeit geht es: um Reputationsgemeinschaften, disziplinäre Sprachregelungen und magische Anrufungen der Schutzpatrone ebenso wie um Theorieblasen, Fußnotenzäune und Begriffsdrachen, plus einer kleinen Checkliste in Sachen Lesbarkeit. Ein Versuch in akademischer Selbstaufklärung also: Für wie begriffsstutzig - oder gescheit - hält man die eigenen Leserinnen und Leser eigentlich?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2012
Bestechend elegant, wie der Autor formuliert. Rezensent Urs Hafner ist baff. Aber Valentin Groebner ist ganz auf seinem Gebiet, nicht der Geschichte des Mittelalters, die er lehrt, sondern der im Dienst der Wissenschaft geschriebenen Sprache. Für diesen Essay hat der Autor sich die Textsorte Dissertation vorgenommen und eine Geschichte des Krampfs geschrieben, anders kann man es nicht sagen, meint Hafner. Vom Professor lernt er darüber hinaus, wie es sich anders machen lässt, unverkrampfter eben, journalistischer. Fachtermini und Passivkonstruktionen raus? Nicht ganz, schränkt Hafner seine Begeisterung ein: Objektiv sei die Wissenschaft, und Supersubstantive können durchaus erkenntnisfördernd sein.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.03.2012
Valentin Groebners Auseinandersetzung mit der Wissenschaftssprache erscheint Achim Landwehr durchaus erhellend. Zwar findet er nicht alle Erkenntnisse des Autors wirklich brandneu und bahnbrechend, etwa dessen Empfehlung an die Wissenschaftler, sie mögen beim Schreiben doch an die Leserschaft denken, konkret bleiben, strukturiert schreiben, eigene Schwerpunkte und Thesen setzen. Aber Groebners wissenschaftshistorische und wissenschaftssoziologische Einordnung unklarer und unverständlicher Wissenschaftssprache ist in seinen Augen sehr interessant. So hat er unter anderem gelernt, dass das unlesbare Wissenschaftsdeutsch nicht in erster Linie mit einem Mangel an Talent seitens der Schreibenden zu tun hat, sondern viel mit der Organisation der Universitätslandschaft, mit dem Wissenschaftsstatus von Universitätsdisziplinen oder mit Abhängigkeitsverhältnissen im Wissenschaftsbetrieb.
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