Aus dem Italienischen von Klaus-Peter Arnold. Das Ende der 70er-Jahre: Gegenkultur und Drogenexperimente, Feminismus und Kampf für das Recht auf Abtreibung, Schließung der Irrenanstalten und letzte große Sozialreformen, Eskalation der Militanz und zunehmende Repression, faschistische Geheimbünde und Waffenlager. Das Wendejahr 1978: Aldo Moro wird entführt und ermordet. Das Land im Ausnahmezustand. Während all dies geschieht, sehen immer mehr Italiener fliegende Untertassen. Es ist ein Massenphänomen, die "Große Welle". Milena Cravero, eine junge Anthropologin, fährt zu einem Ufologen-Kongress nach Rom, der wegen der Moro-Entführung ausfällt. Martin Zanka, ein ehemaliger Partisan, erzählt in seinen Romanen Geschichten über antike Kosmonauten. Sein Sohn Vincenzo, der von der Heroinsucht loskommen will, lebt in einer Kommune auf einem Landgut. Zwei Pfadfinder verschwinden in den Wäldern eines geheimnisvollen Berges. Ein Strudel von Geschichten steuert auf ein dramatisches Finale zu. Wu Ming mischen in herrlich schräger Weise Realität und Fiktion, Popkultur und Filmgeschichte. Sie werfen einen neuen Blick auf ein Schlüsseljahr der italienischen Geschichte, um es aus dem Gefängnis der bleiernen Zeit zu befreien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2023
Für Rezensentin Christiane Pöhlmann ist die Übersetzung von Klaus-Peter Arnold das Sahnehäubchen auf diesem Wunderding von einem Roman aus der verlässlich arbeitenden Manufaktur des italienischen Autorenkollektivs Wu Ming. Seinem Ruf als eine der interessantesten literarischen Stimmen Italiens wird das Kollektiv laut Pöhlmann wiederum gerecht, indem es anhand eines Randphänomens (Ufologie) mitten hineinführt in die gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen in Italien in den 1970ern, die sogenannten bleiernen Jahre. Was die Verbreitung von Ufo-Clubs zu jener Zeit mit der Entführung Aldo Moros und dem mysteriösen Verschwinden von zwei Jugendlichen zu tun hat, davon erzählt das Buch solide recherchiert, plastisch, detailreich und mit feinen Beobachtungen, schwört Pöhlmann. Brillante Literatur, findet sie.
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