Die Auster
Roman

Hanser Berlin, Berlin 2026
ISBN
9783446284593
Gebunden, 224 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Der Geschäftsführer eines legendären Kaufhauses wird ermordet aufgefunden. Doch bis die Polizei am Tatort eintrifft, hat Leonora Bloch alle Spuren beseitigt, so diskret und gründlich, wie sie schon seit 45 Jahren als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett jeder Form von Unordnung begegnet. Als die Ermittlungen in die Austernbar in der fünften Etage führen, ist man schon mittendrin im Mikrokosmos dieses Kaufhauses, das von der paradoxen Sehnsucht nach vergangener Pracht und erschwinglichem Luxus lebt. Und niemand scheint sich in dieser Welt, wo Glanz und Elend, Armut und Reichtum so entwaffnend aufeinandertreffen, besser auszukennen als die 73-jährige Leonora. Doch kennt sie wirklich alle Geheimnisse und welche hütet sie selbst?
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.08.2026
"Kühl, vage und traurig" schreibt Yael Inokai einen Krimi und auch ein Buch über Einsamkeit, findet Rezensentin Judith von Sternburg. Im Zentrum steht Leonora Bloch, eine 73 Jahre alte frühere Putzfrau, sie hat früher in einem edlen, mittlerweile im Niedergang begriffenen Kaufhaus gearbeitet, was dem Roman für Sternburg eine gewisse melancholische Note verleiht. Bei Inokai stirbt aber nicht nur die Luxusbranche, sondern auch der Mann, dem das Kaufhaus gehört hat und Leonora findet ihn, wie die Kritikerin verrät. Ihr fällt auf, dass die Autorin vor allem auf etwas abgenutzte Elemente des Krimis setzt, zum Beispiel ein Ermittlerpaar, das direkt aus einen Sonntagskrimi gefallen zu sein scheint, eine Hauptfigur, die zwischen (finanziellen) Sorgen, geplatzten Träumen und zarter neuer Verliebtheit schwebt. Es ist aber trotzdem sehr interessant, dieses "eigenartig verlangsamte Wirrwarr", dessen genauen Ausgang die Kritikerin nicht verraten will, nur, dass Inokai die verschiedenen Ebenen und Atmosphären zwischen Krimi, Kaufhaussterben und dem schwierigen Altwerden gut zu Ende führt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2026
Für Rezensent Joseph Hanimann ist Yael Inokais neuer Roman mehr als ein Krimi. Ein bisschen wie ein Metakrimi kommt die Geschichte um einen ermordeten Kaufhausdirektor mitunter daher, findet er, denn es geht um "gegensätzliche Lebenswelten", dargebracht in einer Vielzahl von Perspektiven, Details und immer wieder auch als Spiel mit Genreelementen des Krimis, erläutert der Rezensent. Spannend ist der Roman für Hanimann auf alle Fälle, und Indiziensammler kommen voll auf ihre Kosten, versichert er. Meisterlich findet er die Stimmungsbilder und die schnittigen Dialoge.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 27.07.2026
Leonora ist 73 Jahre alt, Putzfrau und die Protagonistin von Yael Inokais neuem Roman, jetzt hat sie ihren Arbeitgeber Dr. Bronstett brutal ermordet aufgefunden, erklärt Rezensent Maximilian Mengeringhaus. Gefunden hat sie ihn allerdings erst, nachdem sie putzend alle sonstigen Spuren vernichtet hat, lesen wir, aber plötzlich taucht der abgehackte Finger des Mordopfers in einer Tiefkühltruhe der Delikatessenabteilung seines Kaufhauses auf - Leonora fühlt sich berufen, eigene Ermittlungen aufzunehmen. für Mengeringhaus ist alles reichlich konstruiert: Ihm missfällt, wie Inokai das Genre des Krimis eigentlich nicht wirklich ernst nimmt und stattdessen versucht, über psychologische Motive und die eigenartige Verschlossenheit der Protagonistin eine tiefere Ebene einzubauen, die dann noch mit Debatten über Altersarmut angereichert wird. Die Dialoge sind dem Kritiker zu platt, die Handlung zu uninspiriert, für ihn kann der Roman leider weder auf unterhaltender noch auf sachlicher Ebene überzeugen.