Aus dem Norwegischen von Julia Gschwilm und Wolfgang Butt. "An einer Axt vorbeischleichen" beginnt mit erinnerten Bruchstücken aus frühester Kindheit. Bereits nach wenigen Zeilen wird klar, dass die Erzählerin Lydia nicht aus der abgeklärten Haltung der Erwachsenen auf ihre Kindheit zurückschaut. Hier spricht ein Mädchen, das unbeirrt an seiner zeitlosen Betrachtung der Welt festhält. Lydia wächst mit sechs Geschwistern auf. Ihr eigenwilliger Kampf um Selbstbehauptung führt sie zum Sport: Nachdem sie sich eine Weile als Fußballspielerin versucht hat, wird Lydia schließlich Läuferin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2006
Soll man das lesen? Annette Zerpners Besprechung lässt das offen. Zwar erläutert sie, wie die Autorin Beate Grimsrud das "artistische Wagnis" der Lebensgeschichte mit ihrer biografisch-autobiografischen Collage noch waghalsiger macht und mit Lakonie und wechselnden Perspektiven die Vagheit und Löchrigkeit der Erinnerung noch unterstreicht. Die Story, zu der dieser Prozess jedoch letztlich führt, der Ausbruch einer jungen Frau aus einer Familien- und Kindheitsgeschichte, bleibe ohne Kontur. Erfüllt der Text genau damit seine Bestimmung? Zerpner jedenfalls ahnt, dass die Wahrheit hier in "manchmal nervtötend nebensächlich erscheinenden Fragmenten" stecken könnte.
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