Aus dem Tschechischen von Martina Lisa. Protagonistin des autofiktionalen Romans ist die 33-jährige Emma. Wohnhaft in London, versucht sie, ihre tschechische Herkunft zu verstehen, den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten und Antworten auf die Fragen rund um das Verschwinden ihrer Partnerin zu finden. Die Geschichten, die sie auf ihrer Suche erlebt, sind nie geradlinig, sondern brechen immer wieder ab und zwingen Emma zur Neuorientierung. Hierin gleicht sie einer modernen Heldin. Zwischen den Überresten der eigenen und der Weltgeschichte steigt der Wasserspiegel katastrophal an und die Brände in Kalifornien werden immer stärker. Emma kämpft sich durch diese Widerstände hindurch, um der Liebe zu entkommen, in der man gleichzeitig gewinnt und verliert.
Eine originelle und konsequente Erzählerin, die letztendlich jedoch "an ihren Ambitionen scheitert", befindet Rezensent Tino Schlench über diesen Roman. Der Titel zum Beispiel kann zweideutig gelesen werden, entweder als neuropsychologischer Befund oder auch ganz selbstreferentiell, bezogen auf den Roman und seinen immer wieder bewusst gestörten, aufhaltsamen oder abschweifenden Handlungsverlauf. Das ist konsequent und treffend, denn Kausc erzählt in ihrem Debüt zwar vom Verlust geliebter Menschen und dessen Effekt auf das eigene Leben, dabei geht es jedoch immer auch um das Erzählen selbst, lesen wir, um die Frage, wie so ein gebrochenes Leben erinnert und erzählt werden kann. Die Protagonistin Emma "gräbt" in ihren Erinnerungen, legt gewissermaßen, im übertragenen Sinne Tunnel an, um diesem Leben nachzuspüren - ein heikles Unterfangen und eine treffende Metapher. Doch Kausc belässt es nicht bei diesem Metaphernfeld, sondern bemüht diverse weitere Bildwelten. Dazu kommt viel Pathos, bedeutungsschwangere Dialoge, überladene Figuren, und sechzig mal das Wort "Katastrophe". Kurzum: Diese Autorin will einfach zu viel. Schade, denn mit mehr Ruhe und einem klugen Lektorat hätte aus diesem Text durchaus was werden können, so der enttäuschte Rezensent.
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