Die Studienausgabe des lange vergriffenen "Process"-Konvoluts der Historisch-Kritischen Franz Kafka-Ausgabe (FKA) von Roland Reuß und Peter Staengle basiert auf der 1997 erschienenen Stroemfeld-Ausgabe. Sie bedeutet einen großen Fortschritt gegenüber den herkömmlichen Ausgaben: Die Wiedergabe der vollständigen Handschrift bietet Leserinnen und Lesern die Gelegenheit, sich ein Bild von der offenen Struktur des Entwurfs zu machen, die zu dem Zeitpunkt vorlag, als Kafka von der Arbeit am Roman abließ. Nicht zuletzt die Streichungen (es gibt vier Sorten davon!) und Ergänzungen sind besonders aufschlussreich. Die Studienausgabe erscheint in einem Band, ohne eine Reihenfolge der einzelnen Faszikel vorzugeben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2025
Roland Reuß und Peter Staengle machen in ihrer Studienausgabe des Franz-Kafka-Klassikers den Leser selbst zum Herausgeber, meint Der hier rezensierende britische Germanist und Dichter Jeremy Adler, und zwar, indem sie einfach alles genau so abdrucken, wie es in den Handschriften steht. Dieses Vorgehen, das der Tradition der Textkritik widerspricht, resultiert laut Adler in einer nach wie vor lesbaren Ausgabe. Dennoch hat der Rezensent einen gewichtigen Einwand: Viel zu schwer ist das Buch für seinen Geschmack geraten und auch zu teuer, eine Taschenbuchausgabe, das wäre es gewesen.
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