Aus dem Englischen von Sofia Blind. James Canton besucht die achthundert Jahre alte Honywood-Eiche in Essex. Sie war ein Schößling, als die Magna Carta unterzeichnet wurde und König Johann England regierte. Heute bildet sie ein eigenes Ökosystem, in dem unzählige Insekten, Vögel und Fledermäuse, Moose, Farne und Pilze leben. Eichen sind zu Mythen und Legenden geworden. In vielen Religionen spielen sie eine besondere Rolle, und für die Entwicklung der menschlichen Zivilisation waren und sind sie von großer Bedeutung. Wir bauten unsere Häuser und Schiffe aus ihrem Holz, schürten unsere Feuer damit und mahlten ihre Eicheln in Zeiten der Hungersnot zu Mehl.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.09.2021
Rezensentin Sylvia Staude stört sich ein wenig an dem merkwürdigen Titel dieses Buches. Und auch sonst erscheint ihr das Werk des Briten zu dicht am "Tagebuch". Der Autor beobachtet darin zu jeder Wetterlage die 800 Jahre alte Eiche "Honywood Oak", die trotz eines Raubbaus in den 1950er Jahren auf dem Landgut der Grafschaft Essex bis heute dort steht, erklärt Staude. Dank präzise beobachteter und pointiert beschriebener Details kann die Kritikerin zwar den Verzicht auf tiefergehende Gedankengänge und die Angabe von Jahreszahlen verzeihen. Cantons Freundin Sarah, die ihm vom "Intellektualisieren" abriet, kann Staude allerdings nicht zustimmen - das hätte dem Buch den letzten Schliff gegeben, meint sie.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.08.2021
Rezensent Johannes Kaiser feiert James Cantons Buch über die 800 Jahre alte Honeywood-Eiche als grandiose Naturbeobachtung. Den Baum im Verlauf der Jahreszeiten und was der Autor in seiner Nähe an heilsamer Veränderung erlebt, beschreibt Canton laut Kaiser wissens- und detailreich und mit vielen Bezügen zur Wissenschaft, Geschichte und Literatur. Dass Canton selbst bei Förstern und Ökologen keine vollständige Antwort auf die Frage nach den Ursachen der Heilkraft der Bäume findet, schmälert den Lektüregewinn für Kaiser keineswegs. Der Rezensent scheint restlos fasziniert, unterwegs auf der Suche nach der nächsten Eiche.
Rezensentin Julian Ignatowitsch empfiehlt James Cantons Buch über eine 800 Jahre alte Eiche und Eichen im Allgemeinen als bestes Nature Writing. Die Mischung aus autobiografischer Reflexion und Naturkundlichem findet der Rezensent überzeugend. Unter anderem lernt er, woher das Wort "Druide" kommt, wie fragil das Biotop des Eichenbaums ist und wie wichtig ein aufmerksamer Umgang mit der Natur. Der Autor vermittelt dergleichen mit Sachkenntnis, aber ohne Esoterik, verständlich und unterhaltsam, freut sich der Rezensent.
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