Die Erfindungen des Filmemachers Hellmuth Costard sind eine Forschung zur Schnittstelle von Film und Technik. Zu seinen bekanntesten Filmen gehört "Fußball wie noch nie". Mehrere Kameras beobachten während der Länge eines Fußballspiels nur einen Spieler. Wie man Sehgewohnheiten unterläuft, könnte nicht klarer vor Augen geführt werden, ebenso die subversive Rolle der Kamera. "Die Apparate sind nicht Costards Fetische, auch wenn sie seine Stars sind" (Frieda Grafe). Neben den Apparaten interessierte Costard das Nicht-Vorprogrammierte an Filmen. Er hat seine Methoden auf den Spielfim übertragen und, ähnlich wie Godard, ohne Drehbuch, quasi "völlig fantasielos" gefilmt.
Rezensent Rainer Komers taucht ein in den Nachlass des Filmemachers, Poeten und Denkers Hellmuth Costard mit dem von Lars Henrik Gass herausgegebenen und eingeführten Band. Die kreative Werkstatt des Vielbeschäftigten und -interessierten erscheint Komers fast unüberschaubar. Durch die Briefe, Konzepte, Skizzen, Fotos, Zeichnungen führt Gass ihn allerdings behutsam und informiert. Costards Werk mit "feministischen Meilensteinen" wie "Die Unterdrückung der Frau ist vor allem am Verhalten der Frauen selber zu erkennen" von 1969 und dem Fußballfilm "Fußball wie noch nie" erschließt sich für Komers mit diesem Buch leichter.
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