"Dieses Buch brach aus mir heraus", schrieb Marguerite Duras, als ihr erster Roman "Die Schamlosen" veröffentlicht wurde. Sie war 29 Jahre alt. Jacques, der älteste Sohn der Familie Taneran, ein Spieler und Müßiggänger, den seine rückhaltlose Genußsucht in ständige Geldnöte und an die Grenze der Legalität bringt, dominiert die ganze Familie. Seine Mutter kann ihm nichts abschlagen, der Vater mischt sich längst nicht mehr ein. Der kleine Bruder Henri folgt bereits seinen Spuren, nur Maud versucht sich dem selbstsüchtigen Diktat des großen Bruders zu entziehen. Ein Roman über die Tyrannei von Liebe und Haß.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
Bemerkenswert spät habe Duras` deutscher Verlag diesen Roman herausgebracht, merkt der Rezensent Volker Breidecker spitz an. Die in den achtziger Jahren vor allem unter Feministinnen so verehrte Autorin selbst hatte allerdings ebenfalls lange gezögert, bevor sie in Frankreich einer Wiederveröffentlichung zustimmte. Als sie die "Schamlosen" 1943 schrieb, arbeitete sie noch in einer Zensurbehörde der Vichy-Regierung, eine Vergangenheit, die ihr zeitlebens peinlich war. Besonders angetan ist Breidecker von Duras` Erstling nicht: "Das ist wahrer Schmock." Breidecker findet diese autobiographisch getönte Erzählung über eine im Clinch lebende Familie in der französischen Provinz ereignislos und klischeehaft in Sprache und Darstellung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999
Mit Sarkasmus und größter Desillusionierung habe Duras das Beziehungsgeflecht der "Schamlosen" entwickelt, schreibt Martin Krumbholz. Selbst die Liebe zwischen Maud und Durieux bewege sich auf dem Niveau von "Soll und Haben", romantische Leidenschaft suche man hier vergebens. Die Skrupellosigkeit der Familie wie auch Mauds Impulsivität und Gefühlsschwankungen spiegelt sich nach Ansicht des Rezensenten in Duras` Erzählweise wider. "Ein unerhört schroffes, widerständiges, ein erstaunliches Début" lautet sein Fazit.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester…