Guggolz Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783945370544 Gebunden, 272 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Schwedischen von Paul Berf. Stig Dagerman (1923-1954) schildert in seinen Erzählungen beiläufige Begebenheiten und Beobachtungen. Oft stehen Kinder im Mittelpunkt, etwa in "Die Memoiren eines Kindes", worin von Dagerman selbst und seinem Leben bei den Großeltern erzählt wird, vom Schrecken und der Verängstigung, die sein Aufwachsen begleitet haben. Das titelgebende "Unser nächtlicher Badeort" dagegen erzählt von der Sehnsucht nach Unbeschwertheit und von der Schönheit im Alltäglichen, derer man sich nicht bewusst ist, bis man sie nicht mehr hat und zu vermissen beginnt. Immer geht es in den Geschichten um die Suche nach dem richtigen Leben, nach der Kunst, durchs Leben zu kommen und am Leben zu bleiben.
Rezensentin Heike Kunert entdeckt mit großem Interesse die hier nun auf Deutsch vorliegenden Erzählungen Stig Dagermans, eines Autors, der sich 1954 im Alter von nur 31 Jahren das Leben nahm. Und doch fand er seinen festen Platz in der schwedischen Literaturgeschichte - dieser Band zeigt, warum, findet Kunert. Um Mord und Totschlag geht es in den gleichzeitig oft autobiografisch inspirierten Geschichten immer wieder, wobei der wahre Schrecken nicht im einzelnen Mörder liegt, sondern im Leben selbst. So erzählt Dagerman etwa von einem alten Mann, der von einem Landstreicher getötet wird, woraufhin die Frau des Ermordeten ebenfalls bald stirbt. Oder von einem Mann, der sich auf den Fotos nicht wiedererkennt, die ihn gemeinsam mit seiner Frau zeigen - eine Art vorweggenommener Selbstmord. So düster sich das in der Zusammenfassung liest: Kunert legt Wert darauf, dass Dagerman seine Leser nicht einfach nur deprimieren möchte. Vielmehr rührt seine gleichzeitig nüchterne und poetische Sprache an menschlichen Grunderfahrungen; ganz besonders, wenn er Geschichten erzählt, die aus seiner eigenen Kindheit stammen. Am Ende fühlt sich die Rezensentin von diesen meisterlichen Erzählungen gar getröstet.
Was für ein Autor, denkt sich Rezensent Maximilian Mengeringhaus bei den Erzählungen des mit nur 31 Jahren verstorbenen Schweden Stig Dagerman. Die Erzählungen zeichnen sich nicht nur durch Einfallsreichtum aus, sondern auch durch die gelungene Übersetzung von Paul Berf, fährt der Kritiker fort. Existenzialismus und Absurdes à la Camus und Kafka findet Mengeringhaus etwa in den Geschichten um ärmliche Landjungen, die in der Schule aus Hunger die Abfälle ihrer Mitschüler essen müssen, um reiche Skandinavier, die Jünglinge nach Münzen tauchen lassen und in Kauf nehmen, dass einer von ihnen ertrinkt: Dessen Mutter übergibt den feinen Leuten dann dessen Lunge. Klassismus, Natur, Armut sind die große Themen dieses Reigens, so der Kritiker, dem der Band trotz der oftmals düsteren Inhalte ein wenig vorkommt wie eine außerordentlich gelungen zusammengestellte bunte Tüte vom Kiosk.
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